Quergedacht

Wo bist du?

Am Abend schaue ich Nachrichten und frage mich: Wo bist du, Gott?
Wo bist du in all dem Elend der Menschen auf der Flucht; auf dem Meer, wo Menschen ertrinken; in den Kriegsgebieten und zerbombten Häusern? Wo bist du?
Wo bist du, wenn Menschen ihrem Hass freien Lauf lassen, wenn Menschen auf Menschen schießen und wenn das im Netz auch noch gefeiert wird? Wo bist du?
Wo bist du, wenn Menschen wegen ihres Engagements für eine menschliche Gesellschaft Morddrohungen erhalten und sogar ermordet werden; wenn Häuser angezündet werden, die doch eigentlich eine Zuflucht sein sollen? Wo bist du? Wo bist du?, hast du die ersten Menschen gefragt, die deine Weisungen missachteten. Und ich ahne, du könntest mich dasselbe fragen: Wo bist du? Und ich denke an: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 25)
Wo bist du, Gott?  Du bist im Elend, du bist auf der Flucht, du bist in den Tränen. Du schaust mich an. Wo bist du, Gott? Du bist in meinen Händen, die Brot austeilen. Du bist in meinen Worten, die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Hass aussprechen. Du bist in meinen Armen, die sich öffnen, um willkommen zu heißen.
Wo bist du, Gott? Wo bist du, Mensch?

Sabine Behrens, Pastorin