Quergedacht

„… du hast meine Hand ergriffen und hältst mich …“

Zwei Mädchen steigen in die Stadtbahn ein. Beide tragen einen Button: „Jesus lebt“. Jemand spottet: „Mit dem Quatsch bin ich fertig.“ Sein Nachbar antwortet ruhig:  “Sie denken, sie brauchen das nicht. Ich aber brauche Gott.“ Die anderen schmunzeln. Der Erste verspürt Oberwasser: „Man muss eben seinen Halt in sich haben.“ Sein Nachbar  entgegnet: „Das können wir ja  gleich mal ausprobieren. In der nächsten Kurve halten sie sich
an ihrer Krawatte fest.“ Jetzt  hatte er die Lacher auf seiner Seite. Der Erste hat nur Haltung, aber  keinen Halt, denn der ist immer  außerhalb. Halt bedeutet  Gehalten sein. Da sind die beiden Mädchen: Heute habe ich zwei Teamerinnen aus der Konfirmandenarbeit vor Augen.
Sie geben sich als Christinnen zu erkennen. Keiner sagt etwas und doch ist klar: Sie glauben an Gott. Das ist der Auslöser für die Reaktion des Ersten: Der, der auf  ihre Kosten einen Spruch machen muss. So jemand, der immer eine  Bemerkung gegen das Christentum macht. Und dann  ist da sein Nachbar: Er macht pfiffig in der ruckeligen  Stadtbahn deutlich, was Gottes  Halt für ihn heißt. Wenn ich mich an etwas oder einem anderen festhalten kann, dann habe ich es leichter in den Kurven- oder Grenzsituationen des Lebens. Und ich spüre, ich brauche Gott, diesen Halt, diese Stütze in meinem Leben.

Ulrike Thiele, Pastorin