Quergedacht

Frieden stiften

„Frieden stiften, wie geht das eigentlich?“, frage ich mich in dieser Woche umso mehr, als sie doch auf den Volkstrauertag zielt. An vielen Ehrenmälern werden wieder Kränze niedergelegt, und in den Kirchen werden Gebete für den Frieden gesprochen. Schon am letzten Sonntag, der unter dem Motto „Selig sind die Friedensstifter“ stand, beklagten viele Kirchengemeinden die Kriege vergangener und heutiger Tage und suchen Wege zum Frieden.
Nun hatte ich kürzlich die Gelegenheit, mit einem berühmten Friedensstifter zu sprechen: Der Bürgerrechtlicher Christoph Wonneberger gilt als einer der Väter der friedlichen Revolution in der DDR 1989 und sagte mir: „Wer Frieden stiften will, muss beten, handeln und Gemeinschaft suchen!“ Das alles hat der frühere Leipziger Pastor getan und dazu beigetragen, dass schließlich die Berliner Mauer fiel.
In den frühen 80er Jahren – da hat er sich übrigens auch das Konzept für einen Zivildienst in der DDR ausgedacht – fing er an, jede Woche in seiner Gemeinde für den Frieden zu beten. Daraus wurden dann die berühmten Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche. Selbst als seinen Vorgesetzten die politische Brisanz klar wurde und sie ihm die Gebete verbieten wollten, machte er weiter: „Wenn wir nicht in der Kirche beten dürfen, dann tun wir es eben davor!“
Dazu kommt zweitens das Handeln: Die Montagsgebete waren der Auftakt zu den Montagsdemonstrationen, an denen am Ende eine halbe Million Menschen teilnahmen und für den Frieden in der DDR demonstrierten. Das war eine riesige Gemeinschaftsaktion – der dritte Schritt für Friedensstifter.
Bis heute ist der frühere Pastor Wonneberger gemeinsam mit anderen für den Frieden aktiv. Vor ein paar Jahren ist er mal wortwörtlich für den Frieden eingetreten, nämlich in die Pedale. Zusammen mit über hundert Leuten ist er auf dem Fahrrad die Grenzlinie Grenze zwischen Nord- und Südkorea abgefahren.

Rainer Müller-Jödicke, Pastor