Quergedacht

Halbjahreszeugnis

Jetzt liegen sie auf dem Tisch. Die Giftblätter, wie sie von Schülerinnen und Schülern auch liebevoll genannt werden. Für manche sieht es erfreulich aus. Sie können sich entspannt zurücklehnen und darüber freuen, was sie geschafft haben. Für andere sieht es nicht so gut aus. Da leuchten unübersehbar die roten Warnlampen auf. Und das ist das Gute an den Halbjahreszeugnissen. Sie haben etwas Vorläufiges an sich. Jeder hat die Chance, da noch was zu drehen im zweiten Halbjahr.
Ich erinnere mich an eine solche schriftliche Zwischenbilanz meiner Schullaufbahn während der zehnten Klasse. Ich sage nur: Deutsch und Chemie. Wäre es damals nicht das Halbjahr gewesen, hätte ich wohl eine Ehrenrunde drehen dürfen. So aber konnte ich das Ruder gerade noch rumreißen.
Eigentlich wäre es gar nicht schlecht, wenn man im Leben immer wieder mal so eine Zwischenbilanz ausgestellt bekäme. In ganz anderen Fächern. Umgang mit der eigenen Gesundheit: Fünf. Soziales Verhalten: Vier minus. Nachdenken über Sinnfragen des Lebens: Mangelhaft. Umgang mit der Umwelt: Ungenügend. Ganz unten würde ein Satz stehen wie: Annette ist durchaus in der Lage dem Stoff zu folgen. Leider engagiert sie sich nur, wenn das Thema der Stunde sie persönlich anspricht.
Ich könnte mir vorstellen, dass so ein „Halbjahreszeugnis“ aufzeigen könnte, wo wir an unserem Leben was drehen müssen, damit die Versetzung nicht gefährdet wird.

Torsten Kröncke, Pastor