Quergedacht

Wir haben es fast geschafft!

Bei einem Neujahrsempfang dankte der Langenhagener Bürgermeister in seinem Bericht über das Jahr 2019 auch den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in der Geflüchtetenhilfe. Es sei schon ein großer Erfolg, wie weit die Integration der geflüchteten Neubürger*innen dank der vielen Ehrenamtlichen vorangekommen sei. Inzwischen gäbe es keine Sammelunterkünfte mehr. Das ist doch eine richtig gute Nachricht zu Jahresanfang – oder? „Wir haben ganz viel geschafft!“ Ich denke, solche Guten Nachrichten sollten gern mal verbreitet werden gegen den Trend: „Nur eine schlechte Nachricht ist eine Nachricht wert“. Ob diese schlechten Nachrichten lieber gelesen und gehört werden? – sie sind scheinbar interessanter. Auf diese Weise ist meines Erachtens auch das Interesse an der populistischen AfD und ihrer teilweise rechtsradikalen Anhängerschaft zustande gekommen. Denn schlechte Nachrichten schüren Ängste und damit arbeiten die neuen Rechtspopulisten.
Wir haben uns die Deutungshoheit aus der Hand nehmen lassen, formulierte es der Journalist und Buchautor Arndt Henze bei der Laienkanzel in Godshorn.
Wir haben es geschafft, was vorher noch nie gelungen ist – eine große Anzahl von geflüchteten Menschen in sehr kurzer Zeit soweit zu integrieren, dass sie sich in unserem Land zurechtfinden können und eine Bereicherung für unsere Wirtschaft werden können.
Wir müssen es nur laut genug sagen, und nicht weghören, nicht verstummen. Wir müssen lauter und deutlich werden, wenn uns unsere Demokratie und unser Land lieb sind.
Wir müssen Laut-Stark sein und aufbegehren gegen den neuen Rassismus, den Hass gegen Juden und Ausländer. Weil diese voll unmenschlicher Arroganz den Anderen gegenüber sind.
"Erheben wir uns gegen den alten Ungeist in der neuen Zeit! Kämpfen wir gegen Antisemitismus, gegen Rassenhass und nationale Eiferei! Erliegen wir nicht der Verführung des Autoritären! Streiten wir mit Argumenten, nicht mit Hass!", sagte der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seinen Reden zum Holocaustgedenken. "Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit." Steinmeier fordert auf, sich einer un-christlichen Grundhaltung entgegenzustellen. Der Tabu-Bruch im Thüringer Landtag am letzten Mittwoch, wo sich der FDP Ministerpräsident nach einer Kungelei von CDU und Rechtsradikalen ins Amt wählen ließ, zeigt, wie aktuell und bedrohlich die Gefahr wirklich ist. Jesus stellte solchen Ausgrenzungen und solchem Egoismus seine allumfassende Vorstellung vom Reich Gottes entgegen, dass es möglich ist, dass alle Menschen und Kulturen an einem Tisch sitzen und satt werden. Deshalb: Lassen wir uns die Demokratie nicht aus der Hand nehmen von denen, die demokratische Offenheit nur nutzen, um die Demokratie zu zerstören. Denn die Alternative sind nur Engstirnigkeit, Ausgrenzung, Egoismus und Nationalismus. Und damit lässt sich keines der internationalen Probleme lösen. Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen. (Hebr.13,2)
Falk Wook, Pastor