Quergedacht

Von Solidarität und Gemeinschaft

Anfang letzter Woche las ich einen Roman über John „Ohneland“, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts König von England war. Ein streitbarer Mensch, der den Papst so sehr verärgerte, dass dieser den Kirchenbann über England vollstreckte. Alle Kirchen im Land wurden daraufhin geschlossen und es fanden keine Gottesdienste mehr statt.
Was mir noch vor wenigen Tagen unvorstellbar erschien, ist plötzlich Realität geworden. Immer weitreichendere Einschränkungen gibt es zu unser aller Schutz und auch die Gottesdienste wurden schon bis nach Ostern abgesagt. Zunehmend ziehen wir uns in unsere eigenen vier Wände zurück, legen Vorräte an und igeln uns ein. Es wirkt wie ein Winterschlaf auf unbestimmte Zeit.
Hierbei musste ich unweigerlich an die Geschichte von Frederick denken, die ich schon als Kind geliebt habe. Frederick ist eine von mehreren kleinen Feldmäusen, die sich auf den Winter vorbereiten. Doch während die übrigen Mäuse eifrig Körner, Nüsse, Weizen und Stroh sammeln, sitzt er auf einem Stein und schaut auf die Wiese. Denn Frederick sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Worte für die langen und grauen Wintertage.
Ich tue momentan etwas ganz Ähnliches. Meine Farben sind Geschichten, die von Solidarität und Gemeinschaft erzählen. In dem Versuch, die Einsamkeit zu überwinden und sich gegenseitig zu unterstützen, gehen viele Menschen in diesen Tagen ganz neue Wege. Sie singen und musizieren gemeinsam am offenen Fenster oder applaudieren minutenlang für die Helfer. Künstler übertragen ihre Privatkonzerte kostenlos ins Internet. Kirchengemeinden arbeiten an Ideen wie Online-Andachten und Videobotschaften, um kirchliches Leben in veränderter Form zu ermöglichen. Und Nachbarn organisieren Einkaufsdienste für Risikogruppen. Ganz frische und neue Farben sind es, die aktuell entstehen. Es lohnt sich, die Augen nach ihnen offen zu halten.
Bleiben Sie gesund und behütet!
Miriam Folkerts, Vikarin