Quergedacht

O wie „Ohne“ / A – wie „Anders“

In der kommenden Woche feiern wir Palmsonntag – ohne Palmwedel. Gründonnerstag – ohne Agape. Karfreitag – ohne Kreuzverehrung und Ostern ohne Osterfeuer.
O – wie „Ohne“!
Ich verzichte auf das Gewohnte. Auf die eingespielten Rituale. Auf das Normale. Weil nichts mehr „normal“ ist, denn Corona hat die Norm verändert.
O – wie „Ohne“!
Neue Begriffe werden zur Norm erhoben: Kontaktlosigkeit, Videokonferenz, Abstand, Internetgottesdienst, Schutz der Alten und Vorerkrankten.
O – wie „Ohne“!
Ohne das Gewohnte, mit neuen Normen und neuen Formen von Gottesdiensten und Kirche-Sein, erfüllt mich, weil plötzlich das Andere mir in den Sinn kommt.
A – wie „Anders“!
Wir sitzen abends zusammen und schauen eine Serie. Wir schauen uns an, wir reden darüber.
Wir essen gemeinsam und bleiben sitzen, nehmen uns Zeit zum Verkosten.
Wir gehen spazieren, ausdauernd und hören die Vögel und sehen den Pferden auf der Weide zu.
Wir greifen nach unserem verstaubten Musikinstrument. Wir spielen zögernd einen Ton und erfreuen uns an dem, was wir nicht verlernt haben.
Wir greifen nach dem Buch, welches letztes Jahr als Geschenk auf dem Geburtstagstisch lag.
Ich ergreife den Hörer und telefoniere – nicht kurz angebunden.
So ähnlich muss es auch Mose ergangen sein, als er die Schafe seines Schwiegervaters Jitro gehütet hat – da begann der Dornbusch zu brennen.
So kann aus O – wie „Ohne“ – A – wie „Anders“ werden. Das ist eine Chance.

Michael Habel, Gemeindereferent