Quergedacht

Vertrauen wagen

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Sind wir noch in der Anfangsphase oder in der Mitte? Die Antwort kann noch niemand geben. Und doch werden sehr viele Einschränkungen schon wieder aufgehoben. Nicht nur weil die Wirtschaft wieder in Gang kommen muss, sondern auch, weil viele Menschen die Situation der persönlichen Einschränkungen einfach nicht mehr aushalten. Auf der einen Seite ist es schön, bestimmte Freiheiten wieder zu haben, anderseits habe ich auch meine Bedenken, dass das zu schnell geht. Was unsere Regierung zu Beginn veranlasst hat, war genau richtig und notwendig, um möglichst viele Menschenleben zu retten. Wir können also Vertrauen haben in unsere Bundes- und Landesregierung, in unsere Kirchenleitung. Vertrauen, das ist der Urgrund des Glaubens. Wir wissen, dass die Situation leider noch nicht vorbei ist, auch wenn der Ruf nach den „alten Freiheiten“ deutlicher wird und von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten missbraucht wird. Das führt zu einer großen Verunsicherung statt zur Vertrauensbildung. Vor allem, wenn sich sogar sogenannte Fachleute und Wissenschaftler in die Verunsicherungsstrategie mit einreihen oder die Pandemie verharmlosen. Das Einzige, was dagegen hilft, ist der deutliche Widerspruch. Denn es geht bei diesen Verharmlosungen und scheinbaren Freiheitsforderungen um sehr gefährliche Zerstörungsangriffe auf unsere demokratische Gesellschaft, die auf einem streitbaren, aber vertrauensvollen Zusammenleben basiert. Im ZDF „heute journal“ wurde zum diesem aktuellen Thema des Vertrauens und Glaubens in unserer Gesellschaft am 11. Mai treffend auf Hannah Ahrend hingewiesen. An einen ihrer vielen berühmten klugen Sätze zum Faschismus und Nationalsozialismus. Zitat: „Ein Volk, das nichts mehr glauben kann, ist nicht nur seiner Handlungsfähigkeit beraubt, sondern auch seiner Fähigkeit, zu denken und zu urteilen. Und mit einem solchen Volk, kann man dann tun, was man will.“ Also bitte lassen Sie sich von den Verharmlosungs- und Verschwörungstheoretikern nicht einfangen. Haben Sie bitte weiterhin Vertrauen in unsere staatstragenden Institutionen und die Politiker in den Regierungen. Im ersten Brief des Johannes heißt es: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ (1. Joh. 2,1-6). Der Verfasser des Johannesevangeliums setzt sich hier deutlich von Irrlehrern ab, die in der Gemeinschaft Unruhe stifteten. Sie glaubten wohl, allein gerettet zu werden, ohne Konsequenzen für das alltägliche Leben ziehen zu müssen. Erkennen kann man aber die Jesus-Nachfolge daran, dass das Gebot der Nächstenliebe gehalten wird.

Falk Wook, Pastor