Quergedacht

Auf dünnem Eis

Wir werden wohl noch eine Menge Geduld brauchen. Die Sache mit Corona ist noch lange nicht ausgestanden. Und so gut, wie wir das zu Anfang in Deutschland hinbekommen haben, so schwierig wird es jetzt auf der langen Distanz.
Für die meisten Menschen bleibt die Krankheit ja nach wie vor unsichtbar. Es wird viel getestet, ansonsten sind es vor allem Zahlen, die uns die Bedrohung anschaulich machen sollen. Zugleich höre ich von Infizierten, die nicht einmal Symptome hatten.
Aber es gibt auch die anderen Geschichten: Ein Mann aus Langenhagen, Mitte fünfzig, der durch Covid 19 ins Koma gefallen war. Es geht ihm inzwischen besser. Aber es wird dauern, bis die Reha abgeschlossen ist und er wieder arbeiten kann. Sein kleiner Betrieb muss solange geschlossen bleiben. Das wird sicher nicht ohne wirtschaftliche Folgen für ihn bleiben. Wenn ich solche Geschichten höre, wird mir bewusst, dass wir auf dünnem Eis leben. Natürlich wünsche ich mir Normalität zurück. Ich würde gerne wieder singen in der Kirche. Ich würde gerne in einer vollen Kirche Gottesdienst feiern. Aber das geht noch nicht.
Wir werden deshalb in diesem Jahr auf manche lieb gewordenen Traditionen verzichten: Kein Weihnachtsmarkt, kein Kantoreikonzert, keine Advents-feiern mit Senior*innen. Es wäre unverantwortlich, das alles einfach in gewohnter Weise durchzuführen. Das hat natürlich Folgen für die Musiker, die normalerweise bei uns engagiert werden, für die Familien, die normalerweise das Karussell und das Kasperletheater auf dem Kirchplatz betreiben. Es ist wichtig, diese Menschen nicht zu vergessen und sie zu unterstützen, wo es geht.
Generationen vor uns haben schon viel schlimmere Krisen meistern müssen. Wichtig ist es, sich nicht verrückt machen zu lassen, zuversichtlich und gelassen zu bleiben. Gemeinsam und solidarisch können wir auch diese Krise meistern. Das spricht immer wieder auch aus den Worten der Bibel. Zum Beispiel bei Paulus: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.” (Römerbrief 12,12).
In diesem Sinne – bleiben Sie behütet!

Torsten Kröncke, Pastor