Quergedacht

Der kleine Prinz

„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz. „Guten Tag“, sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken. „Warum verkaufst du das?“ sagte der kleine Prinz. „Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten die Woche.“ „Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“„Man macht damit, was man will…“ „Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrighätte“, sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen…“
An diese Episode aus dem „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry muss ich jedes Jahr denken, wenn im Herbst die Uhren eine Stunde zurückgestellt werden. Morgen am Sonntag ist es wieder soweit und der Tag um eine ganze Stunde länger. Haben Sie sich schon überlegt, was sie mit dieser zusätzlichen Zeit anfangen wollen? In einem Magazin fand ich einmal eine ganze Liste mit Vorschlägen, wofür man diese Stunde verwenden könnte. Einen Kuchen backen, mal wieder einen Brief per Hand schreiben, die Kramschublade aufräumen, einen ausgedehnten Spaziergang machen oder auch einfach länger schlafen… Es gibt so viel, was man in dieser einen Stunde tun könnte, und das im Alltag oft zu kurz kommt. Und darum gefällt mir der Gedanke, diese eine Stunde nicht einfach achtlos vorbeiziehen zu lassen, sondern sie ganz bewusst zu gestalten. Mich zu fragen, was ich mit der Zeit anfangen möchte, die mir geschenkt wird. Eine gute Übung, nicht nur für den morgigen Tag.

Miriam Folkerts, Vikarin Emmaus-Gemeinde