Quergedacht

Geduld haben

Die Corona-Pandemie fordert uns heraus. Wir brauchen Geduld und einen langen Atem, wie in folgender Geschichte: Ein kleiner Junge hatte beim Stiefelanziehen Probleme und so kniete seine Erzieherin sich nieder, um ihm dabei zu helfen. Mit gemeinsamem Stoßen, Ziehen und Zerren gelang es, zuerst den einen und schließlich auch noch den zweiten Stiefel anzuziehen. Als der Kleine sagte: „Die Stiefel sind ja am falschen Fuß!“ schluckte die Erzieherin einen Anflug von Ärger runter und schaute ungläubig auf die Füße des Kleinen. Aber es war so; links und rechts waren tatsächlich vertauscht. Nun war es für die sie ebenso mühsam wie beim ersten Mal, die Stiefel wieder abzustreifen. Es gelang ihr aber, ihre Fassung zu bewahren, während sie die Stiefel tauschten und dann gemeinsam wieder anzogen, ebenfalls wieder unter heftigem Zerren und Ziehen. Als das Werk vollbracht war, sagte der Kleine: „Das sind nicht meine Stiefel!“ Dies verursachte in ihrem Inneren eine neuerliche, nun bereits deutlichere Welle von Ärger und sie biss sich heftig auf die Zunge, damit das hässliche Wort, das darauf gelegen hatte nicht ihrem Mund entschlüpfte. So sagte sie lediglich: „Warum sagst du das erst jetzt?“ Ihrem Schicksal ergeben kniete sie sich nieder und zerrte abermals an den widerspenstigen Stiefeln, bis sie wieder ausgezogen waren. Da erklärte der Kleine deutlicher: „Das sind nicht meine Stiefel, denn sie gehören meinem Bruder. Aber meine Mutter hat gesagt, ich muss sie heute anziehen, weil es so kalt ist.“ In diesem Moment wusste sie nicht mehr, ob sie laut schreien oder still weinen sollte. Sie nahm nochmals ihre ganze Selbstbeherrschung zusammen und stieß, schob und zerrte die blöden Stiefel wieder an die kleinen Füße. -Fertig. - Dann fragte sie den Jungen erleichtert: „Okay, und wo sind deine Handschuhe?“ Worauf er antwortete: „Ich hab sie vorn in die Stiefel gesteckt.“
Also auch in schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie gibt es etwas zu schmunzeln oder zu lachen. Diese Geschichte spiegelt auch die Situation der Pandemie insgesamt wieder: Alte Stiefel (Gewohnheiten) sitzen im Moment oft am verkehrten Fuß. Also es hilft nichts: Ausziehen, Neues probieren – feststellen, dass auch das schon nicht mehr passt. Wieder ausziehen, noch mal neu probieren und dann geht es doch nicht. Das ist der Alltag in Corona-Zeiten. Dabei ist es wichtig, nicht die Hoffnung und das Lachen zu verlieren. Vielleicht auch einmal über uns selbst und die Socken im Stiefel zu lachen.
Denn da wird sein unser Mund voll Lachens Die Seele reiseklar. Das ist die Hoffnung in schwierigen Zeiten. (frei gemäß dem Buch der Offenbarung, Kapitel 21). Bleiben Sie behütet und gesund.

Falk Wook, Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Zum Guten Hirten, Godshorn