Quergedacht

Jeden Tag ein kleines Geschenk

Vielleicht ist es Ihnen auch aufgefallen: Adventskalender boomen in diesem Jahr. Die evangelische Jugend im Kirchenkreis macht einen Online-Kalender mit Texten und Video-Botschaften und auf vielen Internetseiten der Kirchengemeinden öffnet sich jeden Tag ein Türchen mit einer Botschaft aus den unterschiedlichen Gemeindegruppen. Ich mache mit Konfirmandinnen und Konfirmanden über das Handy einen Adventskalender, in dem wir uns jeden Tag eine Aufgabe stellen.
Was haben Adventskalender? Warum scheinen wir sie gerade jetzt zu brauchen? Eigentlich eine Erfindung für Kinder, die ihnen das Warten auf Weihnachten und auf die Geschenke verkürzen soll. In diesem Jahr gab es aber doch gefühlt nichts anderes als Warten. Warten auf das Ende des Lockdown. Warten auf die neuen Verordnungen. Warten auf die neuen Zahlen. Warten auf…
Nun geht es weiter mit dem Warten. Mein Sohn, fünf Jahre alt, wartet besonders hingebungsvoll. Kann kaum schlafen, muss immer wieder aufstehen und sich den Adventskalender noch einmal anschauen. „Mama, ist fühlen erlaubt?“, fragt er mich. Aber auch er hat neulich festgestellt, dass, wenn er dann endlich etwas bekommt, die Freude darüber nur kurz anhält. Viel zu schnell hat man sich an das Neue gewöhnt und langweilt sich damit.
Mit einem Adventskalender ist das anders. Vor allem mit denen, die so vielfältig in diesem Jahr gestaltet werden. Bei jeder, die mitgestaltet, breitet sich nicht nur eine Vorfreude aus auf das was da kommt, sondern schon während der Herstellung und der Vorbereitung des Adventskalenders wird Freude spürbar. Und die ergreift uns auf mehreren Ebenen: Nicht nur meine eigene Freude etwas geschenkt zu bekommen wird erfüllt, sondern ich schenke gleichzeitig. Ich bereite anderen eine Freude. Und nicht nur denjenigen, für den ich den Kalender gestaltet habe, sondern es zieht manchmal noch weitere Kreise. Mit Jugendlichen in Langenhagen haben wir uns gegenseitig einen Adventskalender gebastelt und mit schönen Dingen gefüllt. Heute habe ich darin eine Weihnachtskarte gefunden mit dem Auftrag, sie einem anderen Menschen zu schreiben. Ganz nach dem Motto: „Freude wird mehr, wenn man sie teilt.“ Und das wollen auch die anderen Adventskalender erreichen: Ein Gruß sein, Freude verbreiten mit Bildern, Texten und Geschenken, in dieser Zeit, in der wir uns kaum sehen und wenig miteinander erleben.
Und: Adventskalender lenken uns vom Warten ab. Jeden Tag gibt es gute Neuigkeiten sozusagen, jeden Tag ein kleines Geschenk. Jeden Tag wird ein Stück der Herrlichkeit, die uns an Weihnachten erwartet, schon sichtbar.

Beate Granobs, Diakonin Elisabethgemeinde und Matthias-Claudius-Gemeinde