Quergedacht

Melodie für ein neues Jahr

Haben Sie zu Weihnachten Ihre Verwandten besucht? Werden Sie den Jahreswechsel mit Freunden feiern? Oder verzichten Sie auf manches, was im Lockdown noch möglich ist, um in der Pandemie lieber vorsichtig zu sein? Ich habe mich in diesen Tagen gefragt, als wir die Präsenz-Gottesdienste zu Weihnachten in den Kirchen absagten, was Jesus wohl getan hätte. In Jesus Christus ist Gottes Liebe menschlich sichtbar in die Welt gekommen, heißt es in der Weihnachtsgeschichte von seiner Geburt im Stall von Bethlehem. Der Grundhaltung der Liebe hat auch der erwachsene Jesus von Nazareth in seinen Taten und Worten Ausdruck verliehen. Die Liebe legt immer den Verzicht zum Wohle des anderen nahe. Jesus hätte uns als Motto für diese herausfordernden Zeiten aufgegeben: schenkt anderen Aufmerksamkeit und Rücksicht! So verstehe ich die Jahreslosung, die für das kommende Jahr aus der Bibel ausgelost worden ist.
„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36), so lautet sie, und ich höre dahinter eine frohe Melodie. Anderen Gutes tun, eine Freude machen, ihnen Hilfe bringen, sie mit liebvollen Augen anschauen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, das gibt auch in schwierigen Zeiten dem Leben eine bunte Farbe. So wie Gott uns jeden Tag neu aus seiner Hand nehmen lässt, und uns in unserem Leben begleitet, ohne dafür eine Bedingung zu stellen. Gott schaut liebevoll auf mich. Weil Gott die Liebe ist, kann ich mich von seiner Liebe füllen lassen wie ein Gefäß. Und ich darf die Barmherzigkeit Gottes über mich selbst hinausströmen lassen. Sich ein Herz zu fassen, das sich der Bedürftigkeit eines anderen annimmt, könnte die Grundmelodie für das Jahr 2021 sein. Bleiben Sie gesund!
Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesundes neues Jahr.
Pastor Frank Foerster, St. Pauluskirche