Quergedacht

Komische Corona-Sachen

Ich weiß, die Pandemie ist eine ernste Sache. Und ich wünsche mir von Herzen, wir wären bald damit durch und niemand würde sich bis dahin mehr anstecken und krank werden.
Dennoch gibt es seit Corona auch ein paar Dinge, bei denen ich mir ein Lachen nicht verkneifen kann. Das fängt schon mit der Frisur an, die ich jeden Morgen im Spiegel ansehen muss. Natürlich habe ich kurz vor dem Lockdown keinen Friseurtermin mehr bekommen. Ich habe mich auch zu spät gekümmert. Mit dem Resultat muss ich jetzt leben. Neulich habe ich über den Ohren einen Selbstversuch mit der Nagelschere gestartet. Meine Frau schweigt dazu.
Ein anderes komisches Phänomen ist, dass ich manchmal vor dem Fernseher erschrocken auffahre, wenn Darsteller in Filmen sich viel zu nahe kommen. Oder wenn größere Menschenmengen auf engem Raum zu sehen sind. Ich muss mir dann immer ins Gedächtnis rufen, dass der Film vermutlich vor 2020 gedreht worden ist. Da durfte man das alles ja noch. Ich träume inzwischen sogar schon mit Abstand.
Video-Konferenzen sind für mich übrigens nur mit Humor zu ertragen. Man schaut dann in zwanzig kleine Gesichter auf dem Computerbildschirm. Unter anderem auch auf das eigene. Natürlich ist da wieder diese Frisur. Hinzu kommt das Problem, dass ich bei solchen Konferenzen ein schwer zu unterdrückendes Bedürfnis verspüre, mir ins Gesicht zu fassen. Zum Beispiel, weil die Nase juckt. Sobald ich diesem Verlangen aber nachgebe, zeigt sich das umgehend auf dem Bildschirm. Und dort werde ich beobachtet. Von zwanzig Gesichtern, denen es vermutlich ähnlich geht.
Gar nicht reden will ich hier über das, was einem blüht, wenn man vor längerer Maskennutzung Knoblauch gegessen oder Kaffee getrunken hat. Und auch nicht über die Kilos, die sich aufgrund von Kochexzessen während des Lockdowns auf der Waage zeigen.
Ein wenig Trost finde ich bei dem allen in der Jahreslosung: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)
Barmherzig sein mit anderen und auchabeth mit mir selbst. Das ist sicher eine gute Idee für diese Zeit. Und manches lässt sich eben nur mit Humor ertragen.

Torsten Kröncke, Pastor Elisabethkirchengemeinde