Quergedacht

Durchhalten

Engel faszinieren die Menschen immer wieder. Sie sind die Begleiter Gittes in unserem Leben. Vor kurzem stieß ich im Internet auf Zeichnungen von Paul Klee. Seine Engelbilder tragen Namen: „Engel der Hoffnung“, „Vergesslicher Engel“ oder „Durchhalten!“.
„Durchhalten!“ das ist von uns schon lange gefordert. Die Corona-Beschränkungen sind gerade wieder verlängert worden. „Durchhalten!“, das kann so schwer sein, aber im Leben gibt es eben nicht immer nur Sonnenschein. Aus den Familien, von alleinstehenden Menschen, aus Kranken- und Seniorenheimen höre ich immer wieder sehr schmerzliche Erfahrungen mit den Beschränkungen und jede*r sucht seine Art, damit umzugehen.
Betrachte ich das Bild des Engels mit dem Namen „Durchhalten!“ entdecke ich vor Schmerz verzerrte Gesichtszüge. Für Schmerz (Hoffnungslosigkeit, Leid, Last, Betrübnis, Verzweiflung, Kummer) gibt es zahlreiche Gründe: die Sorge um die Kinder, um die Enkel, um die älterwerdenden Eltern, um die Zukunft, um die eigene Existenz. Oftmals verbergen wir den Schmerz, manchmal lässt er sich aber auch in unseren Gesichtern ablesen der Kummer zeigt sich in tiefen Falten.
„Durchhalten“. „Da muss man eben durch“, ein Spruch, den ich nicht mag und auch nicht verwende. Schön ist allerdings, was hinter dem Spruch steht: Ausharren, bleiben, abwarten, bewältigen. Diese Worte machen den Schmerz nicht kleiner, aber sie geben vielleicht eine Orientierung, wie man damit umgehen kann. Indem ich meinen Schmerz jemand anderem mitteile, indem ich tue, was mir vielleicht gut tut: ein schönes Buch, Musik, gutes Essen, ein Telefonat mit einem lieben Menschen – und mitten im Telefonat ein herzliches Lachen.
Das klingt einfach, aber vielleicht unterstützt es mich im „Durchhalten!“
Gläubige Menschen haben noch eine weitere Möglichkeit: das Gebet. Das was ich allein nicht schaffe, was ich auch nicht allein schaffen muss, lege ich in Gottes Hände: Gott, steh mit im „Durchhalten!“ bei, kümmere Du dich jetzt.
Jesus hat auf dieser Welt einiges durchgehalten. Gutem und Bösem ist er begegnet und ist nicht immer bei allen gut angekommen. Wer aber das Gute sucht, kann nicht böse werden. Ein hohes Ziel, in dem uns Jesus selbst unterstützt. Ich vertraue also darauf, dass da jemand ist, der beim „Durchhalten!“ an meiner Seite geht.
Hartmut Lütge, Katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen mit Zwölf Apostel