Quergedacht

Glückssteine

„Guck mal, was liegt denn da?“, sagte eine Freundin, als wir im Deister wandern waren. Überrascht drehte ich mich um. Mitten im Wald, neben einem Baum, lag ein Stein. Nicht irgendein gewöhnlicher Stein. Er war klein, bunt und beschriftet.
Die Streifen waren in allen Regenbogenfarben gemalt. Auf der anderen Seite des Steines waren mit einem schwarzen Edding ein paar Worte notiert: „Hallo Fremder, ich wollte dir nur sagen, dass du wunderbar bist.“ Das tat gut. Er machte mir Mut. Selten hatte ein Stein nettere Worte für mich übriggehabt.
Die Person, die den Stein angemalt, beschrieben und dort platziert hatte, kannte mich nicht. Sie wusste nicht, wer den Stein finden würde. Trotzdem war sie sich sicher: Egal wer den Stein findet, dieser Mensch wird wunderbar sein.
So warmherzige Worte beflügeln mich. Diese Worte waren formuliert wie ein Mutmacher Der Person, die ihn gemalt und beschriftet hat, war es wichtig. Sie kannte mich zwar gar nicht. Aber trotzdem waren die Worte ernst gemeint. Denn hier hatte sich jemand die Arbeit gemacht einen schönen Stein zu suchen. Diesen Stein bunt anzumalen und ihn mit einer kurzen, freundlichen Botschaft in den Wald zu legen. Es kam von Herzen. Die Überraschung über diesen netten Stein hat die Wirkung der Worte sogar vergrößert.
Der Stein war nicht allein. Er hatte seine Freunde mitgebracht. Sie lagen überall in dem Wald herum. Sie warteten darauf gefunden zu werden. Wir beide fanden an diesem Tag noch viele solcher Steine mit verschiedenen Motiven. Auf einem anderen Stein war ein Baum mit mehreren Vögeln gemalt worden. Ein dritter Stein hatte einen Hasen als Bild. Viele kleine Steine inmitten von Gottes Schöpfung.
Diese Steine erinnerten mich: Gott hat nicht nur den Wald und die ganze Natur geschaffen, sondern auch uns. Mit jedem Tag, an dem wir leben, sagt auch Gott uns stets aufs Neue: „Du bist wunderbar!“

Hendrik Hundertmark, Vikar Martinskirchengemeinde Engelbostel-Schulenburg