Quergedacht

Hand aufs Herz

Fasten Sie gerne? Hand aufs Herz – freuen Sie sich auf das Fasten?
Ich google, das mache ich häufig, wenn ich nicht gleich auf die zündende Idee komme, und die allermeisten Antworten finde ich in dieser Suchmaschine. Also gebe ich den Begriff „Fastenangebote 2021“ ein.
Da lese ich: 5.520.000 Einträge.
Ich werde auf unterschiedliche Angebote hingewiesen. Natürlich angepasst meinem eigenen Lebenstil, weil die Suchmaschine ja weiß, wo ich mich im Internet aufhalte.
Da steht bei mir die Misereor-Fastenaktion, wo auf die Menschen in Bolivien hingewiesen wird. Dann kommt der Hinweis, „7 Wochen anders“ zu leben oder „Fasten und Wandern in Münster“. Selbst „Basenfasten“ oder „Fasten mit Natascha“ wird eingeblendet. Und so resümiere ich:
Wir sind ein Volk des Fastens. Wir lieben es!
Dabei kommt es mir inzwischen vor, als ob wir die längste Fastenzeit seit den letzten Jahrzehnten haben: Wir fasten und verzichten auf Vieles, was uns wertvoll ist – wegen der Pandemie. So neulich eine Moderatorin auf NDR2.
Aber ist Fasten = Verzicht?
Als Jesus 40 Tage in die Wüste geht, wird er mit der Einsamkeit und mit sich selbst konfrontiert. Wer bin ich. Was ist mein Auftrag. Welchen Stellenwert hat Gott in meinem Leben. Und ihm wird vor Augen geführt, was er alles Großes hätte vollbringen können. König über alle Länder, von der Zinne der Mauer springen, aus Steinen Brot werden lassen. Alles Annehmlichkeiten. Er verzichtet auf alle Dinge und findet sich selber und somit seine Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Souveränität und eine große Liebe zu allem um ihn herum die so groß ist, dass wir sie auch als göttlich bezeichnen können.
Ein solches Fasten hat Auswirkung auf mein Leben, das Leben meiner Mitmenschen und das ganze gesellschaftliche und politische Gemeinwohl.
Dann antworte ich selber auf meine anfänglich gestellte Frage: Fasten Sie gerne? – Ja! Freuen Sie sich auf das Fasten? – Ja!
Denn es geht um mich!

Michael Habel, Gemeindereferent Liebfrauen/Zwölf Apostel