Quergedacht

Der letzte Tanz

„Und man weiß immer erst beim Abschied, was es einem bedeutet und wie schön es eigentlich war“ singt Bosse in seinem Hit „Der letzte Tanz“ und setzt sich deswegen ein Motto für sein Leben: „Also tanz, als wär's der letzte Tanz. Also küss, als wär's der letzte Kuss.“ Oder kurz gesagt: Carpe Diem – nutze den Tag, genieße ihn aus vollen Zügen, denn „du weißt nie, was morgen kommt, nix ist für immer.“
Die Musik verklingt, der Tanz endet, der letzte Kuss schmeckt bittersüß auf den Lippen, die Welt ist auf den Kopf gestellt und nichts ist mehr, wie es vorher war. Alles neu, alles anders, alles fremd und ungewohnt. Einen Abschied gab es nicht und die Erinnerung an den letzten Tanz, den letzten Kuss, wird immer schwächer.
„Nix ist für immer.“ Ist nichts für immer? Manchmal scheint es so und alles in einem will vor Angst nur noch schreien: „Gott, hilf mir aus dieser Stunde! Ich will zurück ins alte Leben, will tanzen und küssen und die ganze Welt umarmen. Also wenn Gott da ist, dann soll er sich zeigen und seine Herrlichkeit, seine ganze Macht, für die er gerühmt wird, beweisen.“
Da ertönte vom Himmel her eine Stimme: „Ich habe sie schon offenbart, ich werde sie wieder offenbaren!“ (Joh 12,28)
Ein Versprechen, das für immer gilt, obwohl doch „nix für immer ist“. Aber am Anfang, als noch nichts war, war Gott trotzdem da. Er schuf die Welt und schuf das Leben. Und beim Abschied wird sich immer noch erweisen, was Welt und Leben – für immer – ihm bedeuten.

Almut Wenck, Vikarin Elisabethkirchengemeinde