Quergedacht

Drei

„Du bist drei, wir sind drei, drum sei dabei!“ So etwas Schlichtes hatte der Bischof noch nie gehört und regte sich furchtbar auf. Höchst persönlich wollte er die drei aufsuchen und ihnen endlich mal ein ordentliches Glaubensbekenntnis beibringen.
Er bestellte ein Boot und setzte auf die einsame Insel mit dem kleinen Kloster über, wo die drei Mönche lebten. Aufgebracht stürmte er in ihre Kapelle und platzte in ihr Morgengebet. Tief versunken fand er sie vor – aber irgendwie war das rührend. Danach stimmten die drei ein einfaches Lied an – auch das bewegte den Bischof. Doch dann umarmten die Mönche zum Schluss einander, steckten die Köpfe zusammensteckten und brachten kurz ihren Glauben auf den Punkt: „Du bist drei, wir sind drei, drum sei dabei!“
„Ich werde euch das richtige Glaubensbekenntnis schon beibringen“, murmelte der Bischof und rieb sich die Hände. Er zog sie in den Klostergarten und begann mit einem Lehrgespräch. Ja, sie waren Gott Vater wirklich dankbar, dass er ihnen das Leben geschenkt hatte und ihnen diese kleine Insel anvertraute. Und sie glaubten an Gottes Sohn Jesus, der so wunderbar von Gottes Liebe erzählt und sie vorgelebt hatte – so wollten sie auch einander beistehen. Und selbst im Zweifel vertrauten sie Gottes Heiligen Geist, dass der ihnen in ihrer Einsamkeit immer wieder Mut zum Glauben macht. „Und jetzt üben wir den richtigen Text“, sagte der Bischof.
Als sie es einigermaßen konnten, stieg der Bischof zurück ins Boot. Mitten auf dem See kletterten auf einmal die drei Mönche über die Reling. „Warte“, baten sie und wirkten verlegen, „wir haben den Schlussteil vergessen. Sag ihn uns nochmal, du bist unser Lehrer!“ Verdutzt schaute der Bischof sie an und fragte: „Wie seid ihr hierhergekommen, wo ist denn euer Boot?“ Sie zuckten mit den Schulten: „Sowas brauchen wir nicht, wir sind übers Wasser gelaufen.“
Da verbeugte sich der Bischof vor ihnen und sagte: „Liebe Brüder, ich kann wohl eher von euch lernen. Geht zurück und betet weiter euer Bekenntnis. Besser könnt ihr es nicht sagen! Ich spüre, dass der dreieinige Gott euch zusammenhält und segnet!“

Rainer Müller-Jödicke, Pastor Martinsgemeinde Engelbostel-Schulenburg