Quergedacht

Ruhe für die Seele

Ich finde es interessant, dass es im Internet Filme gibt, die dazu anregen, zwei Minuten einmal nichts zu tun. Zu sehen ist ein Sonnenuntergang und zu hören das Meeresrauschen. Nur zwei Minuten einmal nichts zu tun, scheint für viele Menschen schwer zu sein.
Meine Oma hatte das für ein ähnliches Rezept: Man nehme ein Kilo Erdbeeren, wasche und putze sie und bringe sie mit Gelierzucker zum Kochen. Dann braucht man nichts zu tun, außer 2 Minuten hin und wieder nach der Erdbeermarmelade zu gucken, ein wenig umzurühren und den Sommer tief einzuatmen. Eine wirklich sinn-volle Erholung
Einfach mal nicht tun, davon träumt so mancher. Scheinbar bekommen wir unsere Pausen aber nicht geregelt. Da esse ich schnell einen Apfel während ich Mails beantworte, während ich telefoniere, räume ich nebenbei meinen Schreibtisch auf und während des sonntagabendlichen Tatorts schaue ich auf das Mobiltelefon, da Nachrichten angekommen sind.Im Matthäusevangelium wird erzählt, wie Jesus uns seine Freund unterwegs sind und von den vielen Menschen, die ihnen folgen ganz in Anspruch genommen werden. Dann aber schickt Jesus die Menschen nach Hause und seine Jünger im Boot auf die andere Seite des Sees um sich zu erholen. Er selbst geht auf einen Berg, um zu beten. Jesus braucht eine lange Pause, denn über sein Beten wird es Abend. Die Jünger dösen im Boot. Alle haben die Einsicht, dass ihr Wirken Grenzen hat. Nun gilt es, die eigenen Pausen zu gestalten.
Meistens weiß ich, was mit gut tut. Möglicherweise schaue ich den Film vom Sonnenuntergang im Internet an, lieber schaue ich in den Topf voller blubbernden Erdbeermarmelade. Ich wünsche Ihnen viele Pausen für Ihre Seele.

Hartmut Lütge, Katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen mit Zwölf Apostel