Quergedacht

Ein direkter Draht

Die Pandemie scheint eine Pause einzulegen. Auch in unseren Gottesdiensten ist wieder mehr möglich. In allen Kirchen werden Präsenz-Gottesdienste angeboten, manchmal auch draußen auf der Kirchenwiese. Dabei beachten wir auch weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln. Gemeinsam zu loben, zu danken und zu klagen fällt leichter, als es allein zu tun. So sind wir als Gemeinde mit Gott verbunden, der Draht zu Gott ist gespannt.
Eine kleine Geschichte aus der Ökumene erzählt davon. Ein katholischer Pfarrer kommt neu in seine Gemeinde. Als ihn sein evangelischer Kollege zum ersten Mal besucht, stellt er fest, dass bei seinem Amtskollegen ein großes rotes Telefon auf dem Schreibtisch steht. „Was ist denn das?“, erkundigt er sich, und der katholische Kollege erklärt ihm: „Das ist unser direkter Draht zum Herrn!“ „Ach was“, ist der evangelische Pastor begeistert, „darf ich den mal probieren?“ „Sicher“, sagt der katholische Kollege, „das kostet allerdings 50 Euro Gebühren.“ Das ist es dem evangelischen Pastor wert. Er probiert das rote Telefon aus und erreicht auf diese Weise tatsächlich Gott ganz persönlich. Einige Wochen später kommt es zum Gegenbesuch. Dabei stellt der katholische Pfarrer fest, dass sein evangelischer Amtsbruder auch inzwischen solch ein rotes Telefon auf seinem Schreibtisch stehen hat. „Ach, Sie haben jetzt auch solch ein praktisches Gerät!“, freut er sich. „Darf ich dann auch einmal von Ihnen aus telefonieren?“ „Aber sicher“, erklärt ihm der Pastor. „Das kostet 12 Cent!“ „12 Cent?“ „Ja, bei uns ist es ein Ortsgespräch!“
Ein solches Ortsgespräch ist in jedem Gottesdienst möglich, ob evangelisch oder katholisch. Jeder Gottesdienst ist ein Angebot, einen Weg zu Gott zu finden. Gott wendet sich jedem von uns in einer ganz persönlichen Weise zu. Er findet den richtigen Weg zu uns. Wir laden dazu ein, jeden Sonntag.

Frank Foerster, Pastor St. Pauluskirche