Quergedacht

Die Mutter der Menschen

Vor zwei Wochen war ich zum Urlaub an der Mosel. Auf dem Rathausplatz von Trier war viel los. Ein Weinstand mit regionalen Köstlichkeiten lud zum Verweilen ein und die Cafés waren gut besucht. In einem Eckhaus ist ein Drogeriemarkt der Kette „DM“ untergebracht – Dies ist keine Schleichwerbung. Oberhalb des Eingangs ist mir eine Marienfigur an der Fassade aufgefallen. Diese Einheit von der Figur der Mutter von Jesus und dem Drogeriegeschäft empfand ich sehr witzig und schickte ein Foto davon einem Freund. Dieser kommentierte das in gewohnt lässiger Weise mit „DM heißt hier doch bestimmt `Deine Mutter` - sehr passend zur Statue“. Dieser Gedanke, dass Maria als Mutter der Menschen gesehen wird, kam mir hier jetzt neu in den Blick. Mir fällt ein, dass nach der Geburt von Jesus die Hirten zur Krippe kommen und sich total freuen und jubeln, weil Jesus als der Sohn Gottes geboren wird. Und die Bibel berichtet dann von Maria, dass sie dies alles lediglich in ihrem Herzen bewegt – mit anderen Worten: sie denkt darüber nach. Mir würde an dieser Stelle etwas Entscheidendes fehlen: Warum bespricht Maria dieses seltsame Erlebnis nicht mit Joseph. So nach dem Motto: „Was hältst Du davon, dass die Hirten jetzt zu uns in den armseligen Stall kommen und so komplett begeistert sind von unserem Kind?“ Wenn ich an meine Mutter denke, dann hätte sie mindestens zu meinem Papa gesagt: Was war denn mit den Jungs los? Wieso waren die denn so überschwänglich? Von Maria erfahren wir in der Erzählung dazu wenig bis gar nichts. Was kann nun die Tradition der Katholischen Kirche heute für mich bedeuten, dass ich Maria als meine Mutter verstehen kann? Was bedeutet der Spruch von meinem Kumpel, dass Maria meine Mutter ist? Wenn ich so nachdenke, dann ist Maria für mich eine Frau, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Eine Person, zu der ich mich mit all dem, was mir im Alltag so begegnet, setzen darf und ich kann mit ihr darüber quatschen. Ich kann mich austauschen. Und sie ist dann auch bei mir nicht wertend oder emotional, sondern inspiriert mich durch ihre Gelassenheit ebenfalls zur Gelassenheit, zum Innehalten und Nachdenken.


Benedikt Koßmann, Pastoralassistent Pfarreien St. Maria-Immaculata Mellendorf, St. Paulus Burgwedel und Liebfrauen Langenhagen