Quergedacht

Viele kleine Leute

Oftmals kann man aus der Medienbranche ein Wort hören: „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.“ Schlechte Nachrichten treiben die Auflage in die Höhe. Und so lesen wir schön beim Frühstück von Krieg, Armut, Unterdrückung und Verbrechen aller Art.
Vor einiger Zeit stellte mir jemand die Frage: Müsste nach 2000 Jahren Christentum die Welt nicht besser sein?“ Ich erzählte darauf eine kurze Geschichte von Gisbert Kranz: In einem Cafe saßen ein Seifenfabrikant und ein Priester an einem Tisch. Der Seifenfabrikant verwies auf die unerfreulichen Schlagzeilen einer Zeitung und sagte zu dem Priester: „Das Christentum hat überhaupt nichts erreicht. Obwohl es schon über 2000 Jahre gepredigt wird, ist die Welt nicht besser geworden. Es gibt immer noch Böses und böse Menschen. „Der Priester wies durch das Fenster auf ein schmutziges Kind, das am Straßenrand im Dreck spielte, und bemerkte: „Seife hat nichts erreicht. Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.“ „Aber Herr Pfarrer“, entgegnete der Fabrikant, „Seife nutzt doch nur, wenn sie auch angewendet wird.“ Der Priester antwortete: „Christentum auch!“
Eine Geschichte mit einem wahren Kern. Wenn alle Christen ihr Christsein anwenden, wird diese Welt eine andere sein. Manchmal bekommt man dann zu hören: „Ach wir kleinen, was sollen wir schon tun. Wir können doch nichts verändern.“ Ich denke, dass Jesus uns nicht überfordern will, wenn er sagt: Ihr seid füreinander verantwortlich, achtet aufeinander, zahlt jedem seinen gerechten Lohn, verzichtet auf Hass, Gewalt und Gier, denn nur so könnt ihr leben, auch über euren Tod hinaus. Jesus lehnt das Streben nach Macht, Reichtum und Anerkennung um jeden Preis und auf Kosten anderer ab und ruft uns daher in die Pflicht unser Bekenntnis täglich anzuwenden. Mehr noch, Jesus traut jedem Einzelnen auch genau dies zu. Er weiß: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
So wünsche ich uns allen, dass wir auch angesichts vieler Schreckensmeldungen nicht resignieren, sondern in unserem täglichen Leben offen sind für Gottes Liebe und sein wunderbares Vertrauen in uns Menschen.
Hartmut Lütge, Pfarrer Katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen mit Zwölf Apostel, Langenhagen