Quergedacht

Dilemma

„Nichts ist gut in Afghanistan“, kommentierte Margot Käßmann schon 2010 den Nato-Einsatz in diesem geschundenen Land. Die damalige Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat dafür damals viel Schelte zu hören bekommen. Natürlich auch die Meinung, dass Kirche nichts zu politischen Dingen sagen sollte. Heute, 11 Jahre später, haben wohl auch die Letzten einsehen müssen, dass sie Recht hatte und dass ihre Worte von damals prophetische Qualität hatten.
Glücklicherweise konnten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr das Land inzwischen verlassen. Aber ich habe ein ungutes Gefühl dabei, dass sie dort viele Menschen zurücklassen mussten, die auf ihrer Seite standen, die geholfen und unterstützt haben und die jetzt befürchten müssen, dass sie dafür zahlen müssen. Vielleicht mit dem Leben. Ich vermute, dieses ungute Gefühl sitzt bei den betroffenen deutschen Soldatinnen und Soldaten selbst noch sehr viel tiefer.
Nichts ist gut in Afghanistan. Dieser Satz gilt heute mindestens genauso wie damals. Und doch weiß ich auch keinen Ausweg. Weiter Polizei spielen, großen militärischen Aufwand betreiben und damit letztlich viele Menschenleben aufs Spiel setzen? Oder die Dinge laufen lassen und damit die Aufgeschlossenen und vor allem auch die Frauen im Land letztlich im Stich lassen.
Es gibt leider immer wieder solche Krisen und Probleme, für die einfach keine gute Lösung zu finden ist. Der Begriff dafür heißt Dilemma. Aber dieser Begriff sagt wenig darüber aus, was solch eine Situation für die Betroffenen bedeutet.
Mich tröstet ein wenig das Gebet, das ein kluger Kopf vor langer Zeit formuliert hat: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Torsten Kröncke, Pastor Elisabethkirchengemeinde