Quergedacht

Wir haben Jesus als Gefährten

Ich laufe im Dunkeln durch Kälte und Regen. Es ist eine fremde Gegend, ich weiß nur ungefähr, wo ich lang muss und alle, die mit mir unterwegs waren, sind schon vorgelaufen. Ich ärgere mich und hab ein bisschen Angst. Leise schimpfe ich vor mich hin.
Wie bin ich in diese Situation geraten? Ich war mit meinem Bruder auf einer Reise in Indien und wir besuchten mit Einheimischen ein Fest und waren nun auf dem Rückweg.
Als ich so vor mich hin schimpfe und mich langsam zu fragen beginne, ob ich den Weg zurück finden werde, kommt jemand aus unserer Gruppe von hinten mit einem Regenschirm, hält ihn über mich und wir gehen den Rest des Weges gemeinsam zu unserem Hotel.
Ich war sehr erleichtert und dankbar.
Wenn ich an diese Begebenheit denke, kommt mir ein Bild, das in der Emmauskirche im Eingangsbereich hängt, in den Sinn. Es zeigt drei Personen von hinten, die nebeneinander auf einem Weg gehen. Zwei Personen sind schwarz gemalt, die dritte Person ist durchscheinend dargestellt. (Gestaltet von Nicole Eckert aus Neustadt/Rbge nach dem Original von Janet Brooks-Gerloff)
Das Bild stellt zwei Jünger Jesu dar, die von Jerusalem in das Dorf Emmaus unterwegs sind. Der Tod Jesu am Kreuz ist drei Tage her. Sie haben die Nachricht der Frauen aus ihrer Gruppe gehört, dass Jesus auferstanden sei und lebe, aber sie können es nicht glauben. Sie sind am Boden zerstört, wissen nicht weiter und wollen nun in ihr Heimatdorf zurück. Es gesellt sich ein Dritter zu ihnen. Es ist der auferstandene Jesus, aber sie erkennen ihn nicht. Jesus geht mit ihnen, sie reden über die Geschehnisse und die Trauer der Jünger und Jesus erklärt und tröstet. Als die drei, bei den Jüngern zuhause angekommen, gemeinsam essen, erkennen sie Jesus und können glauben, dass er auferstanden ist. Erleichtert und voller Freude laufen sie nach Jerusalem zurück.
Die beiden Jünger waren sicher viel erleichterter als ich. Aber durch das Erlebnis in Indien stelle ich mir das manchmal so vor: Jesus geht an unserer Seite, nicht immer erkannt. Wenn es darauf ankommt ist er da, gibt Kraft, tröstet, weist den Weg.
Sabine Behrens, Pastorin Emmausgemeinde