Quergedacht

Ein lieber Gruß

Vorsichtig schneide ich die abgestempelte Briefmarke aus: Der Beutel für Bethel ist mittlerweile fast voll. Und wenn ich das nächste Mal in die Stadtbibliothek gehe, nehme ich ihn mit. Denn dort steht eine Sammelbox für Bethel.
Ein lieber Gruß hat mich erreicht: „Ich wollte mich bei Dir melden und lass uns doch in den nächsten Tagen auch mal lange telefonieren.“ Es ist schön, einen Brief zu bekommen.
Und jetzt im Herbst sind mir die Zeilen von Rainer Maria Rilke dazu eingefallen: „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. … Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,/ wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben/ und wird in den Alleen hin und her/ unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ Das Schreiben von Briefen verbinde ich mit der dunklen Jahreszeit. Und in der Adventszeit beginne ich mit dem Schreiben der Weihnachtskarten. Zum Geburtstag, zu Weihnachten und aus dem Urlaub ist es bei mir im Freundeskreis und in der Familie üblich zu schreiben. Da verschicke ich keine Mail oder SMS. Und ich merke, ich freue mich auf die Weihnachtspost!
Doch der unerwartete Brief ohne Anlass ist noch schöner.
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich in unserer Stunde Taufe gebeten, Ihren Paten einfach mal so eine Karte zu schreiben. Denn über einen Gruß vom Patenkind freuen sich die Paten! Und probieren Sie es doch auch einmal aus. Es muss ja auch kein langer Brief sein: Eine Karte findet sich immer, ein Briefumschlag und eine Briefmarke sind auch schnell zur Hand. Dann kann es los gehen. Und wenn Sie dann auch eine Antwort bekommen, schneiden Sie bitte die Briefmarke aus und sammeln die Marken für Bethel. Herzliche Grüße, bitte bleiben Sie gesund und Gottes Segen möge Sie begleiten!

Ulrike Thiele, Pastorin Matthias-Claudius-Gemeinde