Quergedacht

Auf dem Weg zur Krippe

Er war auf dem Weg zur Krippe. Doch bis zum Weihnachtsbaum im heimischen Wohnzimmer waren es letztes Jahr für ihn noch mehrere hundert Kilometer gewesen, denn er hatte trotz aller digitaler Möglichkeiten den wichtigen Geschäftsabschluss in Präsenz unterzeichnen wollen. Deshalb hatte er den letzten Tag vor Weihnachten in München verbringen müssen.
Am frühen Abend steuerte er dann auf die Autobahn in Richtung Norden; bis kurz vor Nürnberg ging es noch einigermaßen gut, doch dann wurde das Magengrummeln immer lauter: Das Weißwurstfrühstück war ihm wohl doch nicht so gut bekommen, wie seine Geschäftspartner gehofft hatten. Abwechselnd wurde ihm heiß und kalt, aber er wollte doch unbedingt zu seiner Familie und mit ihr gemeinsam auf die Weihnachtskrippe schauen. Er reihte sich auf die rechte Spur ein und zuckelte vorsichtig hinter den langsamen Fahrzeugen her.
Die anderen überholten ständig, und so wurde auf einmal sein Blick auf einen ungewöhnlichen LKW frei: Auf der Rückseite hatte dieser keine übliche Werbung malen lassen, sondern ein Bild. Schnell erkannte er in den drei bunt gewandeten Männern mit den Kronen und Geschenken die Heiligen drei Könige, die auf einen Stern blickten. „Na, seid ihr auch auf dem Weg zur Krippe?“, murmelte er und fuhr noch etwas dichter auf. Dann konnte er auch den Schriftzug erkennen. Dort stand: „Gott spricht: Komm gut ins Ziel!“
Es durchzuckte ihn. Das Bild war ja wie für ihn gemacht! Die Heiligen drei Könige sollten gut an ihr Ziel, nämlich die Weihnachtskrippe, kommen – und er auch!
Tief holte er Luft und fuhr an der nächsten Raststätte raus. Er kaufte sich zwei Flaschen Cola und eine große Tüte Salzstangen und fuhr zuversichtlich weiter in Richtung Heimat. Als er am nächsten Tag dann vor der alten Weihnachtskrippe seiner Familie die Könige aufstellte, musste er dankbar schmunzeln.
Auch Ihnen allen einen behüteten Weg zur Krippe
und ein gesegnetes Weihnachtsfest 2021!

Pastor Rainer Müller-Jödicke, stellvertretender Superintendent