Quergedacht

Katz und Maus

Am Morgen hole ich die Zeitung rein. Die Zahl der in den Klinken neu aufgenommen Patienten ist die Schlagzeile. Und in den Nachrichten höre ich, dass die Impfquote zu niedrig ist.
Ich möchte wieder unbeschwert Menschen besuchen, die Hand geben und spontan umarmen. Mir fehlen die Veranstaltungen, der Theaterbesuch und die Einladung von Freunden. Wie schön wäre es, wenn wir wieder so sorglos wie vor der Pandemie leben könnten. Doch das Virus ist da. Irgendwann, so hoffe ich, werden wir wieder wie gewohnt mit dem Virus leben. Ich habe zu unserer derzeitigen Lebenssituation ein modernes Gleichnis von Katharina Seidel gefunden: „Zwei Jungen kamen auf die Freiheit des Menschen zu sprechen. „Ich finde es zum Heulen“, sagte der eine, „dass man scheinbar tun kann, was man will, und am Ende erwischt einen doch die Notwendigkeit.“ „Ja“, bestätigte der andere, „es ist zum Verzweifeln. Mir fällt dabei immer die Situation mit der Maus ein, die sich einmal in unserem Keller verirrt hatte. Jemand ließ die Katze in den Keller, und nun begann es: Die Katze sprang zu und verfehlte die Maus – aber nur zum Spiel. Sie wusste ja, die Beute war ihr sicher. Die Maus flitzte von Ecke zu Ecke im panischen Versuch, sich zu retten, aber da war kein Ausweg.“ „Und dann? Was geschah dann?“ Sie wurde gefressen?“ „Nein, Vater öffnete die Tür.“
Gott, unser Vater im Himmel, wird auch für uns eine Tür nach der Coronapandemie öffnen. Da bin ich mir sicher. Auch wenn ich jetzt manches Mal das Gefühl von Katz und Maus-Spiel mit dem Virus in immer neuen Varianten mit uns und unsere Welt habe.
Herzliche Grüße, bitte bleiben Sie gesund und der Segen unseres Gottes möge Sie in dieser Zeit begleiten!

Ulrike Thiele, Pastorin Matthias-Claudius-Gemeinde