Quergedacht

Atemberaubend

Ich schließe die Augen und atme tief ein. Der Wind lässt meine Haare wild tanzen und sie fliegen mir ins Gesicht. Ich streiche sie hinter die Ohren und öffne meine Augen wieder. Der Anblick haut mich fast um. Dunkel tobt das Meer zu meinen Füßen. Ich höre wie die Wellen am Felsen brechen, der unverkennbare Duft des Meeres strömt in meine Nase. Ich atme ein. Ich atme aus. Graue Wolken verstecken die Sonne, aber das ist in Ordnung. Ich weiß, sie kommt wieder. Der Anblick ist gewaltig. Meine Schultern sinken. Der Knoten, der meine Brust verschnürte, löst sich. Der Kopf ist wie leer gepustet. Einatmen, ausatmen. Ein neuer Gedanke schleicht sich ein: Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet hier, umgeben von der Gewaltigkeit der Natur und in mitten der Einsamkeit Frieden in meinem Herzen breit macht, und ich mich Gott plötzlich so nahe fühle! So oft habe ich gelesen, dass Jesus sich in die Einsamkeit oder auf einen Berg zurückzieht, um mit Gott allein zu sein. Heute verstehe ich es. Gott ist gegenwärtig, das spüre ich mit jeder Faser meines Körpers. Ich atme ein. Ich atme aus. Frieden.

Annika Kruse, Diakonin