Quergedacht

Mit allen Sinnen fasten

Zu Beginn der Fastenzeit, die in dieser Woche beginnt, steht der Aschermittwoch. An diesem Aschermittwoch wird Christinnen und Christen ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet mit den Worten „Kehr um und glaub an das Evangelium.“ Mir kommt bei diesem Aufruf immer die Frage in den Sinn, ob ich denn grundsätzlich auf einem falschen Weg bin? Muss ich denn notwendig umkehren? Und dann denke ich an das Wort, das im griechischen Urtext steht: "Umkehren" heißt hier "metanoeite". Dies ist auch mit "höher, weiter und größer Denken" zu übersetzen. Wenn also dieser Appell an mich zu Beginn der Fastenzeit ist, höher und weiter zu denken, dann habe ich doch hier schon einmal mehr Weite, mit der ich persönlich auch mehr anfangen kann.
Weiter zu denken bedeutet für mich, dass ich mir zunächst einmal Zeit für mich selber nehme und gucke, was mir zur Zeit gut gelingt und was mir weniger gut gelingt. Was möchte ich beibehalten, was möchte ich ändern? Gibt es Dinge, die ich einfach so hinnehmen muss? Und all das kann ich im persönlichen Gebet vorm Gott tragen.
Weiter zu denken bedeutet für mich, dass ich nicht einfach bloß auf Schokolade verzichte und dann zu Ostern mehrere Pakete Lindschokolade vernichte. Weiter zu denken, heißt dann, dass ich mit allen Sinnen faste. Ich faste beispielsweise mit den Augen und nehme bewusste Auszeiten von Sozialen Medien. Ich faste mit den Händen und lasse die Bügelwäsche einfach mal zwei Tage liegen. Ich faste mit der Stimme und spreche nicht immer alles aus, was ich sofort und direkt äußern möchte. Hier geht es nicht um Verbote. Vielmehr geht es darum, denn Alltag bewusster zu gestalten und ab und an innezuhalten und sich neu zu orientieren. Ganz so, wie es für Sie gerade gut ist.
Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen eine segensreiche Zeit des Weiterdenkens.

Benedikt Koßmann, Pastoralassistent