Quergedacht

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Es gibt im Moment weiß Gott genug, was meine Stimmung drückt. Das trübe Wetter, die endlose Pandemie und viel zu lange auch schon der Krieg in der Ukraine. Um mich selbst zu schützen, versuche ich inzwischen, den Rat so mancher Psychologen in Funk und Fernsehen zu befolgen und sehe oder höre nur noch einmal täglich die Nachrichten. Klappt natürlich nicht immer.
Ansonsten versuche ich mich, durch möglichst sinnvolle Tätigkeiten abzulenken oder auf gute Gedanken zu bringen. Ich habe mir zum Beispiel in der Corona-Zeit ein kleines Hochbeet gebaut. Mit Hilfe einer alten Glasscheibe zum Abdecken herrscht darin inzwischen ein wohliges Klima. Und die Radieschen, die ich ausgesät habe, zeigen schon ihre ersten Blätter.
Mir gibt das tatsächlich ein wenig Hoffnung. Die Pflanzen lassen sich auch von einem plötzlich zurückgekehrten Winter nicht irritieren. Sie streben zum Licht und zur wärmenden Sonne. Ich beobachte das sogar an völlig verdreckten Straßenrändern. An so manchen Stellen würde ich mich als Pflanze weigern zu wachsen. Aber Löwenzahn und Co sind unermüdlich und zeigen sich auch neben Gullideckeln und Müllhaufen.
Wir Menschen brauchen Hoffnung, um zu überleben. Ich muss das Licht am Ende des Tunnels im Blick behalten, damit ich durchhalten kann. Das ist übrigens eine Einsicht, die ich aus dem Nachdenken über das Leiden Jesu kenne. In der Kirche beschäftigen wir uns in dieser Jahreszeit damit. Ich könnte den grausamen Tod Jesu am Kreuz nicht ertragen, wenn ich nicht wüsste, dass danach Ostern kommt. Mein Glauben an die Auferstehung nimmt dem Tod einen Teil seines Schreckens. Und er hilft mir, in einer manchmal trüben Welt zu leben.

Torsten Kröncke, Pastor