Quergedacht

Ein Lächeln kostet nichts

Am 1. Mai ist nicht nur Tag der Arbeit, sondern auch Weltlachtag. Das passt nicht zusammen, finden Sie? Ja, manchmal erscheint uns unsere Arbeit wohl nicht zum Lachen. Aber gilt das nicht für unser ganzes Leben? Wenn ich einen schlechten Tag habe, erscheint mir nicht nur meine Arbeit blöd, sondern auch das lästige Einkaufen nervt, denn die Verkäuferin hat wohl auch gerade einen schlechten Tag. Ein Lächeln schenkt sie mir jedenfalls nicht. Und die Frau, die vor mir grad durch die Tür gegangen ist, hätte doch wohl einen Moment auf mich warten können, oder? Jetzt muss ich die Tür neu aufmachen und denke gar nicht daran, mich umzuschauen, ob hinter mir noch jemand durch die Tür möchte.
Aber: Moment mal! Was passiert, wenn ich mein Handeln verändere? Wenn ich der Verkäuferin zuerst ein Lächeln schenke und mich bedanke? Wenn ich dem Mann hinter mir die Tür aufhalte? Plötzlich ist meine Laune gar nicht mehr so schlecht wie eben gerade noch. Beschwingt gehe ich weiter und wünsche meinem Kollegen, der wohl heute mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, einen guten Morgen. Ich reiche meiner Kollegin eine Tasse Kaffee und merke, wie sie sich entspannt. Als ich ihr von dem lustigen Erlebnis mit meinem Sohn von gestern erzähle, lacht sie laut los. Kurz danach sehe ich, wie sie gut gelaunt den Flur entlanggeht.
Und dann denke ich: Ja, so kann es sein. Ein Lächeln kostet nichts, aber es breitet sich aus. Ein Lächeln macht nicht nur mir Freude, sondern auch meinem Gegenüber. Und gerade wenn ich einen schlechten Tag habe, kann ein Lächeln meines Gegenübers meinen Tag retten.
Vor Kurzem haben wir mit Jugendlichen darüber nachgedacht, mit welchen Kleinigkeiten wir anderen Menschen in unserem Alltag begegnen können, um ihnen eine Freude zu machen. Ein Gruß über den Gartenzaun, das Tragen der schweren Tasche für einen älteren Herrn, ein kurze Nachricht an meine Freundin, die gerade im Prüfungsstress ist…Kleinigkeiten, die mich nichts kosten, aber jedem Menschen den Tag versüßen und ihm zeigen, dass er wertvoll ist. Das Interessanteste dabei war für mich, dass von Anfang klar war: Alle Menschen sind gleich viel wert. Gott hat uns alle gleich geschaffen. Warum sollten wir da einen Unterschied machen? Zwischen guten und schlechten Tagen? Oder zwischen Arbeit und Privatleben? Lachen Sie gut heute!

Beate Granobs, Diakonin