Quergedacht

Über den eigenen Schatten springen

"An Ostern feiern Christinnen und Christen, dass Jesus nicht tot ist, nachdem er gekreuzigt wurde, sondern lebt. Jesus ist dann aber nicht lange auf der Erde. Nur eine kurze Zeit dauert es bis zum Tag, an dem Jesus wieder in den Himmel hinauffährt. In dieser Zeit ist es so, dass Jesus immer mal wieder mit seinen Jüngerinnen und Jüngern spricht. In diesen Gesprächen teilt Jesus ihnen die zentralen Botschaften mit, die genau das ausmachen, was er in seinem Wirken und in seinem Leben immer mitteilen wollte. Er bringt also noch einmal auf den Punkt, was ihm besonders wichtig ist. An einer Stelle in der Bibel, dem Buch, in dem erzählt wird, wie das Leben von Jesus war, wird solch eine Botschaft beschrieben: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Dieser Satz klingt erst einmal ganz einfach. Aber wenn ich mir das so verstelle, ist das ziemlich herausfordernd.
Die Aufforderung, fordert mich auf, Dinge zu tun, die ich eigentlich nicht tun würde. Denn einander zu lieben heißt ja auch, dass ich mich derjenigen gegenüber freundlich verhalte, die ich vielleicht gar nicht mag. Einander zu lieben heißt auch, dass ich über meinen eigenen Schatten springe und jemandem verzeihe, der mich enttäuscht hat. Jemanden zu lieben heißt, ihn immer so zu denken, wie er eigentlich ist und seine Fehler nicht immer in den Vordergrund zu stellen.
So zu handeln ist für mich dann etwas, was meine Gewohnheiten ziemlich auf den Kopf stellt. In diesem Ungewohnten ist immer auch eine Chance: ich bekomme eine Idee, wie es sein kann, eng mit Gott verbunden zu sein – ich gebe mehr Liebe weiter als sonst und erfahre dadurch (hoffentlich) auch mehr Liebe.
Für diese Woche wünsche ich Ihnen, dass Sie diese Liebe begleitet, dass Sie dieser Liebe begegnen und dass Sie Ihnen widerfährt."

Benedikt Koßmann, Pastoralassistent