Quergedacht

Urlaubsfotos

Die Fotos im Reisekatalog waren viel versprechend. Feiner weißer Sand, der azurblaue Pool, die gepflegte Hotelanlage. Im Schnellrestaurant: Auch hier wieder bestechende Bilder. Knackiges, frisches Gemüse, saftig gebratenes Fleisch. Und dann – die Ernüchterung: Am Urlaubsort angekommen, der Blick aufs Tablett: So gut, wie auf den Bildern sieht es nicht aus. Wir haben uns täuschen lassen von den Fotos. Aber irgendwie haben wir es doch gewusst. Hand aufs Herz: Wir selbst machen es ja genau so. Mit unseren Urlaubsfotos wollen wir andere und uns selbst täuschen. Auf den meisten Fotos lachen oder lächeln wir. Na klar: Ich will doch gut aussehen! Aber ganz so, wie auf unseren Fotos war der Urlaub meist nicht. Wir haben nicht ständig Postkartenmotive vor Augen gehabt. Im Urlaub wird gerne auch mal gestritten. Man geht sich auf die Nerven. Das alles fotografieren wir natürlich nicht. Fotos dienen uns als Erinnerungshilfe. Und mal ehrlich: Wer will sich schon an die Dinge erinnern, die nicht so schön waren? Fotos manipulieren uns, wir manipulieren mit unseren Fotos andere.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Dieser Satz ist aus der Bibel. Da geht es nicht um Urlaubsbilder. Das Volk Israel sucht einen neuen König. Man lässt sich bestechen: Welcher Kandidat sieht am Stärksten aus? Wer ist der Größte, der Schönste?
Das alles zählt nicht bei Gott! Gott lässt sich nicht ablenken durch Äußerlichkeiten. Sein Blick geht tiefer: Ins Herz. Vor ihm können wir sein, wie wir sind. Ihm müssen wir nichts vormachen. In der Bibelgeschichte fand man bald einen König. Der war ein ganz kleiner unbedeutender Hirtenjunge. Sein Name: David. Er wurde zu einem der größten und stärksten Könige Israels.

Sebastian Müller, Vikar in der St. Paulus Gemeinde Langenhagen