Quergedacht

Den Kopf in den Sand des Glaubens stecken?

"Die Geburtstagsfeier eines Freundes. Ich stehe in einer kleinen Gruppe mit bekannten und unbekannten Gesichtern zusammen. Wir reden über dies und das. Dann fällt der Satz: „Und, was machst du so beruflich?“ Ich antworte knapp: „Ich bin Vikarin, also angehende Pastorin.“ Schweigen. Dann bricht es aus dem einen heraus: „Wie kannst du denn noch glauben, in einer Welt in der so viel Schlimmes passiert, in einer Welt, in der die Wissenschaft doch schon alles erklärt hat? Warum musst du deinen Kopf in den Sand des Glaubens stecken?“
Zugegeben, ich war etwas verblüfft, denn so viel Ehrlichkeit begegnet mir von Angesicht zu Angesicht selten. Irgendwie musste ich über das Bild auch schmunzeln: Den Kopf in den Sand des Glaubens stecken.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir…
Die Jahreslosung aus dem Hebräerbrief mag vielleicht auf den ersten Blick so erscheinen, als ob wir als Christen uns nur auf das Jenseitige beziehen, unseren Kopf in den Sand stecken. Ich selbst aber verstehe den christlichen Glauben gerade nicht als eine Flucht in heile romantische Welten – schon die Bibel zeigt uns immer wieder anderes – sondern ich fühle mich durch den Glauben eher gestärkt meinen Kopf aus dem Sand zu ziehen und den Dunkelheiten, den Tiefen und Unverständnissen dieses Lebens entgegen zu blicken.
Der Weg zum zukünftigen Reich Gottes führt mitten durch dieses Leben hindurch, durch diese Welt. Manchmal durch Tiefen und Leid. Oft aber auch auf die Höhen des Lebens.
Das wahre Leben – ein Leben aus Christus und ausgerichtet auf Gottes Zukunft – wartet jenseits der Geborgenheit unserer vier Wände.
Wir sind aufgerufen das Licht dieser Welt zu sein, das Salz der Erde. Ein Licht, das anderen scheint und ihnen Möglichkeiten für das Leben zeigt. Salz, dass fades Leben würzt. Ein Aufbruch in ein Leben aus und mit Gott kann ein Gewinn fürs Leben sein.
Und schließlich brechen wir alle immer wieder auf. Denn nichts bleibt auf ewig im Hier und Jetzt. Die Welt ist im Wandel.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir…"

Jessica Jähnert-Müller, Vikarin Elisabethgemeinde