Quergedacht

Den Menschen nahe sein

Vor und nach der Wahl des neuen Papstes war und ist das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit sehr groß. Gibt es neue Aufbrüche in der katholischen Kirche? Was verändert sich oder wird neu definiert? Wie verhält sich der neue Papst, was tut er und was unterlässt er? Welche Akzente setzt er?
Nach der überraschenden und schnellen Wahl von Papst Franziskus sorgte er vom ersten Moment seines Pontifikates an für Überraschungen. Sein demütiger und einfacher erster Auftritt vom Balkon des Petersdomes. Viele unkomplizierte Begegnungen und Auftritte in den folgenden Tagen. Deutliche Akzente und Reaktionen im Bezug auf Menschen am Rande unserer Gesellschaft: denken wir an das Zugehen und liebevolle Hinwenden an Behinderte oder den Gottesdienst am Gründonnerstag im Gefängnis. Ein persönlicher einfacher Lebenstil, der auch im Umgang mit dem Papstamt immer wieder deutlich wird. Er versteht sich in erster Linie als Bischof von Rom, als „Erster unter Gleichen“.
Eine Menge Fragen bleiben im Moment noch offen. Wird er in der Kurie und der Leitung der katholischen Kirche an wesentlichen Stellen etwas verändern? Was ist mit den Fragen, die in der Öffentlichkeit immer wieder auftauchen? Die Rolle der Frau in der Kirche, Fragen der Sexualität und Aufhebung des Zölibates, das Thema Ökumene und damit verbunden gemeinsames Abendmahl.
Ob es in diesen Bereichen grosse Veränderungen geben wird, weiß ich nicht. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten mehr dazu erfahren. Ich persönlich glaube nicht, dass sich hier Wesentliches ändern wird. Dennoch freue ich mich über einen Papst, der deutlich die geistliche und spirituelle Dimension der Kirche betont. Der ein Papst sein möchte, der durch seine Art nahe bei den Menschen ist. Lassen Sie mich eine der vielen Begebenheiten erzählen, die diesen Papst ausmachen.
Papst Franziskus, der immer noch im Gästehaus des Konklaves wohnt und noch nicht in den Papstpalast gezogen ist, sitzt am Frühstückstisch. Ein Kardinal tritt an den Tisch und fragt: „Heiliger Vater, darf ich mich zu Ihnen setzen?“ Der Papst antwortet mit einem Schmunzeln: „Aber gern, heiliger Sohn“.
Dieser Papst hat schon etwas verändert, er ist uns ein Anstoß, in der Nachfolge Jesu zu leben und den Menschen nahe zu sein.

Klaus – Dieter Tischler, Pfarrer der Liebfrauengemeinde, Langenhagen