Quergedacht

Opfer des Lebensstiels

"Vor ein paar Tagen haben mich beim Autofahren zwei Motorradfahrer erschreckt. Sie überholten mich gleichzeitig – der eine rechts, der andere links. Wahrscheinlich hatten sie viel Spaß dabei auf ihren schweren Maschinen und freuten sich darüber, wie gut sie beschleunigen konnten.
Aber ich musste erst einmal ein paar Mal tief durchatmen. Dabei fiel mir ein, was ich in der Zeitung gelesen hatte: Motorradfahrer sind besonders von tödlichen Unfällen betroffen. Nicht nur, weil sie auf dem Motorrad weniger geschützt sind als in einem Auto, sondern weil viele unter ihnen mit hohem Risiko fahren. Es sind auch gar nicht die jüngeren Fahrer, sondern eher die Männer im mittleren Lebensalter, die sich beim Fahren überschätzen. Sie können sich so eine starke Maschine leisten – und drehen gerne voll auf. Aber ihnen fehlt die tägliche Routine, so zu fahren.
Und mir fiel noch eine zweite Zeitungsnotiz ein: Ganz optimistisch wurde davon berichtet, dass noch nie so wenige Verkehrstote in diesem Februar gegeben hätte –nämlich nur 182 Personen. Da fragte ich mich: Ist das wirkliche eine gute Nachricht? Wie viele Menschen werden es hochgerechnet auf das ganze Jahr sein? Wenn dann im Sommerhalbjahr auch noch mehr Unfälle mit Motorradfahrern dazu kommen? Und mir wurde klar: Diese beiden, die mich eben überholt haben, die könnten in der nächsten Statistik dazu gehören.
Jedes Jahr gibt es so viele Verkehrstote – sie sind Opfer unseres Lebensstils. Und niemand erschrickt bei diesen Zahlen. Wenn in einem Urlaubsland etwas Gefährliches passiert, dann fahren immer gleich weniger Touristen in dieses Land. Aus Angst, es könnte ihnen etwas geschehen. Aber es sind viel weniger Menschen davon betroffen. Es ist eindeutig gefährlicher, täglich am Straßenverkehr in Deutschland teilzunehmen. Das muss man sich einmal klar machen! Warum wirkt da keine Angst vor tödlichen Unfällen? Und es stimmt ja nicht, dass es nur persönliches Verschulden ist, wenn jemand schwer verunglückt.
Natürlich wünsche ich allen Lesern einen schönen Sommer. Mit schönen Ausflugsfahrten oder mit einer guten Urlaubsreise; gerne auch mit dem Auto oder mit dem Motorrad.
Aber gleichzeitig bitte ich Sie: Geben Sie dem Rausch der Geschwindigkeit oder der Kraftprotzerei mit PS-Stärken nicht nach! Sagen Sie sich: Das Leben ist wichtiger. Für mich und für andere. Ich habe das nicht nötig! Jeder Mensch ist so viel wert, dass er nicht Verkehrsopfer werden soll.
Gott hat uns unser Leben nicht geschenkt, damit wir es aufs Spiel setzen!
Und ich will Gott darum bitten, dass er den Rausch an der Geschwindigkeit und diese Kraftprotzerei mit Motorrädern oder Autos endlich aus der Mode kommen lässt.
Marieta Blumenau, Pastorin in der Emmausgemeinde