Rieselfelder-Bebauung vom Tisch

Die Rieselfelder westlich der Theodor-Heuss-Straße mit Blick in nördlicher Richtung. Foto: K. Raap

SPD und Grüne für großzügigen Ausbau des Stadtparks / Wettbewerb geplant

Langenhagen (kr). Das wird mit Sicherheit sehr viele Langenhagener freuen und beruhigen: In einer gemeinsamen aktuellen Drucksache erklären die Langenhagener SPD und das Bündnis 90/Die Grünen, auf eine Bebauung der Randstreifen der grünen Lunge Langenhagens weitgehend zu verzichten. Dabei geht es vor allem um das Gebiet westlich der Theodor-Heuss-Straße. "Der Stadtpark ist ein beliebtes städtisches Naherholungsgebiet", erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Marc Köhler gegenüber dem Langenhagener ECHO, "die unbebauten Rieselfelder sind ein wichtiger Bestandteil dieses Grünzugs und Biotops und somit auch eine Verbindungsachse zur Wietzeaue. Das Areal hat auch eine wichtige regulierende Wirkung auf das Mikroklima der Kernstadt. Das gilt besonders für die Frischluftzufuhr." Stattdessen soll das Gelände besser an den Stadtpark angegliedert werden. Entsprechende Planungs- und Umsetzungskosten in Höhe von 100.000 Euro wurden im Finanzhaushalt 2012 zur Verfügung gestellt, zuzüglich einer Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 250.000 Euro. Nach den Vorstellungen der beiden Parteien soll der Rat jetzt die Verwaltung beauftragen, bis zum 1. Juli ein Konzept für die Erweiterung des Stadtparks um die Rieselfelder vorzulegen. In den Meinungsfindungs-Prozess sollen auch der Parkbeirat, die Umweltverbände und weitere Interessenten wie zum Beispiel die Nutzer der Hundewiese einbezogen werden. Für die optimale Einbindung der Rieselfelder in den Stadtpark wird ein Wettbewerb vorgeschlagen. Stein des Anstoßes für die Poltiker war die vom Büro Ackers und Partner im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) vogeschlagene intensive Bebauung der grünen Randbereiche des Stadtparks. Der größte Brocken dieser Planung sieht vor, dass auf der Fläche gegenüber der Theodor-Heuss-Straße auf 5,8 Hektar drei- bis vier geschossige Gebäude mit 205 Wohneinheiten entstehen könnten. Dieses Baugebiet und damit auch die verkehrliche Anbindung würden dann bis an den Fuß- und Radweg zwischen SCL und Niederrader Allee heranreichen. "Es handelt sich hier zwar um attraktives Bauland", meinte Marc Köhler, "aber die Erhaltung des Stadtparks hat eindeutigen Vorrang." Auch eine im ISEK-Gutachten empfohlene Bebaung von 1,4 Hektar nördlich der Straße An der Neuen Bult, zwischen Teich und Rennbahn, mit 35 Wohneinheiten werde es nicht geben. Einziger Neubau westlich der Theodor-Heuss-Straße am nördlichen Endbereich der Rieselfelder soll das neu geplante Schwimmbad bleiben. Die im ISEK-Gutachten vorgestellte mögliche Bebauung von 1,8 Hektar mit 65 Wohnungen nordlich der Peko-Halle an der Achse Lenthehof/Niederrader Allee steht zur Zeit noch nicht zur Diskussion, wird aber bekanntlich von den Bündnis-Grünen ebenfalls strikt abgelehnt.
In einem Interview mit dem Langenhagener ECHO im September vergangenen Jahres hatte der erfahrene Langenhagener Meteorologe Jürg-Peter Moldenhauer erklärt: "Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass das im Jahr 2009 für die Stadt Langenhagen von international anerkannten Fachleuten erstellte Gutachten vom Büro Ackers ignoriert wurde." Das Gutachten habe unter anderem festgestellt: "Als bedeutsame Grünfläche mit hoher Kaltluftbildung ist der Stadtpark hervorzuheben. Das bedeutet, dass bauliche und zur Versiegelung beitragende Nutzungen dieser Flächen zu erheblichen Verschlechterung des lokalen Klimas führen könnten." Der Rat, so Moldenhauer, müsse jeglicher Bebauung der Randgebiete eine eindeutige Absage erteilen.