Rücksichtnahme hilft der Natur

Kontroverse Stimmen zum Leinenzwang für Hunde

Langenhagen (gg). Brut- und Setzzeit: Diesen Begriff mag Beate Peters nicht mehr hören. Die Hundehalterin sieht sich mit der Vorschrift zum Leinenzwang gegängelt. „Ich bin ja gerne grundsätzlich bereit, Vorschriften Folge zu leisten, aber irgendeinen Sinn sollten sie schon haben“, sagt sie und verweist auf die aus ihrer Sicht irre Doppelmoral, die sich in der Praxis zeigt. „Ich gehe mit meinem angeleinten Hund an Wiesen vorbei, die gerade gemäht werden. Angesichts des Maschineneinsatzes ist klar, dass mit einem Schlag alle möglichen Bodenbrüter oder junge Hasen oder Reh-Kitze getötet werden. Die hätte mein Hund, ohne Leine, nicht umgebracht, so ihre Meinung. „Es gibt streunende Katzen ohne Ende, das interessiert keinen“, ergänzt sie.
Noch bis zum 15. Juli gilt der Leinenzwang für Hunde. Der NABU-Vorsitzende und Naturschutzbeauftragte in Langenhagen Ricky Stankewitz hält das für sinnvoll, räumt aber ein: „Eine Verordnung, die flächendeckend gilt, kann kleinräumige Situationen nicht erfassen oder gerechte Regelungen dafür aufstellen. Man muss die Summe der Schutzwirkung sehen. Natürlich kann beim Mähen einer Wiese Bodenbrut zerstört werden. Landwirtschaftliche Flächen müssen aber bewirtschaftet werden. Der Leinenzwang verhindert, dass viele Hunde überall stöbern.“ Landwirt Edgar Schmidt-Nordmeier bewirtschaftet Flächen, die an beliebten Spazierwegen in Krähenwinkel liegen. Er vermisst das verantwortungsvolle Verhalten in der freien Landschaft. Dazu gehört ganzjährig, nicht zur während der Brut- und Setzzeit, dass Hundehalter dafür zu sorgen haben, dass ihre Hunde nicht streunen oder wildern. Er wünscht sich zudem, dass Hundehalter mehr Respekt vor dem Ackerbau haben. „Da wächst Getreide. Das sind Lebensmittel. Ich ärgere mich sehr, wenn Hunden erlaubt wird, darin rumzulaufen. Es werden doch Schäden angerichtet. Hundehalter wollen das nicht wahr haben.“
Das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung weist aus, dass jeder Mensch die Landschaft nutzen darf, aber nicht in der Form, dass es für den Grundbesitzer unzumutbar ist. Betreten verboten gilt daher für Acker in der Zeit vom Beginn der Bestellung bis zum Ende der Ernte, Wiesen während der Aufwuchszeit und Weiden während der Aufwuchs- oder Weidezeit.