Schneller Fortschritt beim Klimaschutz

Bald ist Gras drüber gewachsen: Dass das Hochhaus "Im Hohen Felde 15" mit klimaschonender Nahwärme versorgt wird, wird von außen nicht auffallen. Verwalterin Bettina Redöhl (von links), EPL-Projektleiter Sönke Brünig und WEG-Beiratssprecher Jörg Brandt stehen an der unterirdischen Nahwärme-Leitung. 

EPL: Interesse an Nahwärme-Versorgung steigt

Langenhagen. Gerade im Gebäudebestand führt der Umstieg von Heizöl oder Erdgas auf Nahwärme zu einem schnellen Fortschritt beim Klimaschutz. Denn andere Maßnahmen seien für die Eigentümer meist technisch sowie finanziell aufwändig. Und sie führen zum Beispiel in Wohnungseigentümergemeinschaften oft zu kontroversen Diskussionen. "Wir haben deshalb unsere Energiezentralen und die acht Nahwärme-Netze in Langenhagen so konzipiert, dass wir sie Schritt für Schritt erweitern und neue Kunden anschließen können", erklärt Manfred Schüle, Geschäftsführer der Energie-Projektgesellschaft Langenhagen (EPL).
Bereits 2016 bei den ersten Modernisierungen der Energiezentrale in der Leibniz-IGS - damals noch Robert-Koch-Realschule - war geplant, im Umfeld der Schule mit dieser Strategie ein neues Nahwärme-Netz entstehen zu lassen. "Wir können durch dieses Vorgehen unseren Kunden einerseits eine preislich attraktive Wärmeversorgung bieten. Andererseits ermöglicht es den Gebäudebesitzern je nach Zustand ihrer bisherigen Wärmeerzeugungsanlagen auf die klimaschonende Nahwärme umzusteigen", erläutert der EPL-Chef.
Aktuell steige das Interesse an der Nahwärme-Versorgung in Langenhagen. Aus Sicht von Schüle hat das drei Gründe: "Erstens legen immer mehr Immobilienbesitzer Wert auf Klimaschutz. Zweitens steigt die Unsicherheit, wie es mit den Klimaschutz-Vorgaben bei Gebäuden weitergeht - der einfache Austausch des Heizkessels wird somit zum Wagnis. Und drittens gibt es durch die bevorstehende Umstellung von L- auf H-Gas in Langenhagen bei älteren Erdgaskessel in bestimmten Fällen Erneuerungsbedarf."
Jörg Brandt, Sprecher des Beirats der Wohnungseigentümergemeinschaft, ergänzt aus Sicht der Eigner: "Wir wollten langfristige Sicherheit bei Betrieb und Unterhalt; wir wollten überschaubare Investitionskosten bei der anstehenden Erneuerung unserer Heizung." Ein weiterer Aspekt sei der Wegfall der Feuerstelle im Haus gewesen - dadurch werde der Schornstein nicht mehr benötigt, und es fielen zukünftig auch keine Kosten für den Schornsteinfeger an. "Vor dem Hintergrund der Klimaschutzdebatte ist für viele Eigentümer die bessere Energiebilanz des Gebäudes sowie die deutlichen CO2-Einsparungen ein wesentlicher Grund für die Entscheidung für die Nahwärme von EPL gewesen", so der Beiratssprecher. "Hierdurch werden auch Kosten durch die dieses Jahr in Deutschland eingeführte und in Zukunft steigende CO2-Abgabe reduziert." Nicht zuletzt der reibungslose Ablauf der Umstellung bestätige aus Sicht der Beiratsmitglieder, dass die Entscheidung für den Nahwärmeanschluss richtig sei.
Um weitere Kunden aus der Energiezentrale in der Leibniz-IGS sicher mit Wärme versorgen zu können, hat EPL die Anlage nochmals erweitert. Jetzt arbeitet im Keller der Schule ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit zwei Modulen. Sie haben insgesamt eine Wärmeleistung von 200 Kilowatt (kW) und eine elektrische Leistung von 100 kW. Pufferspeicher und der neue Spitzenlastkessel mit einer Wärmeleistung von einem Megawatt stellen auch bei hohem Wärmebedarf die notwendige Heizenergie zur Verfügung. Eine hocheffiziente Brennstoffzelle sorgt außerdem klimaschonend für den notwendigen Betriebsstrom der Energiezentrale.
"Gerade bei Bestandsgebäuden ermöglicht die klimaschonende Nahwärme-Versorgung mit unseren effizienten Blockheizkraftwerken und durch den Einsatz von regenerativem Biomethan hohe CO2-Einsparungen«, betont EPL-Geschäftsführer Schüle. Daher habe EPL seit einigen Jahren auf Bestandsgebäude einen besonderen Fokus. Hier ließen sich viel schneller Erfolge beim Klimaschutz erzielen, als wenn jeder Immobilienbesitzer eine individuelle technische Lösung realisieren müsste. Eine besondere Stärke von EPL sei dabei die sehr kundenindividuelle Planung und Umsetzung - so sind die Übergabestationen und Wärmespeicher genau in die bereits vorhandenen Heizungsräume einzupassen."
EPL setzt bei der Wärmeversorgung und Stromproduktion konsequent auf erneuerbare Energieträger. Daher ist der Anteil an regenerativer Energie bei EPL deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Während in Deutschland im vergangenen Jahr die erneuerbaren Energien zu 15 Prozent zur Wärmeversorgung beitrugen, liegt dieser Wert bei EPL durch den Einsatz regenerativen Biomethans bei knapp 40 Prozent. Dies führe dazu, dass die Nahwärmeversorgung durch EPL in den nun acht Nahwärme-Netzgebieten die wirkungsvollste Klimaschutzmaßnahme in Langenhagen sei.
2016 übernahm EPL den Betrieb der Wärmeerzeugung in der Leibniz IGS Langenhagen, der damaligen Robert-Koch-Realschule. In den folgenden Jahren modernisierte die Energie-Projektgesellschaft Langenhagen die Heizzentrale grundlegend. Ein neuer Heizkessel war hierfür der Startschuss. Heute bilden zwei BHKW-Module die Grundlage für eine ressourcenschonende Wärmeerzeugung. Die Wärme wird in der Schule und seit 2019 durch das Nahwärmenetz "Rathenaustraße" im angrenzenden Wohnviertel genutzt. Der Strom wird vollständig in das öffentliche Netz eingespeist.
Außerdem liefert eine Brennstoffzelle Strom für den Eigenbedarf der Heizungsanlage. Sie war 2018 die erste ihrer Art in Langenhangen und zeichnet sich durch eine besonders hohe Effizienz aus.
Die Energie-Projektgesellschaft Langenhagen mbH (EPL) ist ein lokaler Energiedienstleister in Langenhagen. EPL ist hier einer der maßgeblichen Klimaschutz-Akteure.
Das Unternehmen wurde 1994 von der Stadt Langenhagen und der Enercity AG (ehemals Stadtwerke Hannover AG) gegründet. Schon damals waren die Hauptziele eine wirtschaftliche, ressourcen- und klimaschonende Energieversorgung auf kommunaler Ebene zu realisieren sowie die verbrauchsbedingten Emissionen zu reduzieren.
Zu den Geschäftsfeldern von EPL zählen die Planung, der Bau und der Betrieb effizienter Strom- und Wärmeproduktionsanlagen sowie die Nahwärmeversorgung von Wohnhäusern und anderen Gebäuden durch den Einsatz von modernen Blockheizkraftwerken und anderen effizienten Wärmeerzeugungsanlagen. Anfang der 2020er Jahre intensivierte EPL darüber hinaus die regenerative Stromerzeugung mit Photovoltaik-Anlagen.