Schnelles Handeln, wirksame Methoden und Verständnis

Müll lockt die Ratten an. (Foto: S. Dickhaeuser)
 
Das Interesse am Thema Rattenbekämpfung war groß. (Foto: S. Dickhaeuser)

Infoveranstaltung im Ratssaal zur Bekämpfung von Ratten in der Stadt Langenhagen

Langenhagen (dkh). Langenhagen zählt rund 56.000 Einwohner und hat einen deutlichen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Angesichts der wachsenden Bevölkerungszahlen sollten auch die hygienischen Bedingungen im städtischen Umfeld im Auge behalten werden. Dass diese Aufgabe für jeden Bürger der Stadt ein wichtiges Thema ist, machte die Informationsveranstaltung „Bekämpfung von Ratten“ der Stadt Langenhagen deutlich. Rund 50 Bewohner waren in den Ratssaal gekommen, um zu erfahren, wie die Erhebung des Befalls, Bekämpfung und Kontrolle gemeinsam gelingen. Die Informationen kamen von Thorsten Brockmann, Leiter des Betriebsdienstes der Stadtentwässerung Langenhagen, Boris Erhardt, Abteilungsleiter des Bereichs Sicherheit, Ordnung und Umwelt der Stadt Langenhagen, Ralph Gureck, Abteilungsleiter Marketing & Kommunikation, Pressesprecherin Juliane Stahl und Andreas Oelze, Schädlingsbekämpfer.
Der Umstand, dass vermehrt Ratten in den Wohngebieten Langenhagens gesichtet werden, bewegt die Gemüter der Betroffenen schon seit längerem. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gleich zum Beginn der Veranstaltung die Frage im Raum stand, ob es sich bereits um eine Rattenplage handelt. Irgendwo zwischen den zahlreichen Wortmeldungen, die Juliane Stahl der Reihe nach notierte, war es Ralph Gureck möglich zu erklären, dass eine Rattenplage bei Betrachtung der aktuellen Lage nicht besteht. Nach dieser Aussage folgten zahlreiche Wortmeldungen, sodass es für die Mitarbeiter der Stadt schwierig wurde, alle Fragen der Reihe nach zu beantworten. Deshalb schlug Gureck vor, die Wortmeldungen zunächst auf einem Flipchart zu notieren und die Antworten bis zum Ende zurückzustellen. Viele der Anwesenden waren jedoch so stark mit ihren Erfahrungen und Begegnungen mit Ratten beschäftigt und augenscheinlich aufgebracht, das ein Zurückstellen der Fragen kaum möglich war. Dass Eigentümer per Gesetz dazu verpflichtet sind, zu melden, wenn eine Ratte gesichtet wird, ist ein Umstand, der das Motto der Veranstaltung „Gemeinsam für ein sauberes Langenhagen“ unterstrich, dabei aber viele Fragen zu den Zuständigkeiten aufwarf. Diesbezüglich informierte Gureck ausführlich über den Mängelmelder der Stadt Langenhagen unter www. maengelmelder.langenhagen.de. Hier kann ein Rattenbefall, mit genauer Schilderung des Ortes, eingetragen werden. Die Stadt beauftragt dann einen Schädlingsbekämpfer mit der Befallserhebung im öffentlichen Raum und informiert die Grundstückbesitzer oder Eigentümer im betroffenen Gebiet. Nach der Begehung ergibt sich so ein Überblick über die Befallslage, Befallsschwerpunkte und Befallsursachen auf den besichtigten Grundstücken der Stadt und der Eigentümer. Diesbezüglich äußerten einige Anwesende ihren Unmut darüber, dass es Nachbarn gibt, die sich an einer wirksamen und dabei kostenintensiven Beauftragung einer fachkundigen Schädlingsbekämpfungsfirma nicht beteiligen. Zudem wollten viele der Betroffenen wissen, ob Ratten, die auf dem Nachbargrundstück gesichtet werden, auch gemeldet werden dürfen. Dies vor allem dann, wenn der Nachbar sagt „ich mach das schon“, dann aber seiner Meldepflicht nicht nachkommt. „Es geht hier nicht ums Verpetzen, sondern um die Befallserhebung. Wer nicht mitmacht, gefährdet den Erfolg im gesamten Gebiet“ gab Gureck zur Antwort.
Aufregung herrschte im Saal, als Andreas Oelze die Frage zur Wirksamkeit der frei käuflichen Rattenbekämpfungsmittel beantwortete. Der Schädlingsbekämpfer informierte, dass frei verkäufliche Mittel nicht besonders zweckdienlich seien, wenn mehr als eine Ratte bekämpft werden müsse. Ein Umstand, der bei der hier heimischen Wanderratte, die sich schnell vermehrt, nachvollziehbar ist. Dagegen dürften Mittel mit stärkerer Wirkkraft nur von Schädlingsbekämpfungsfirmen sowie von Landwirten, dann aber auch nur unter bestimmten Voraussetzungen, verwendet werden. Da die Ratten aber Resistenzen entwickeln, seien auch die Inhaltsstoffe der Rattenbekämpfungsmittel, die von Schädlingsbekämpfungsfirmen verwendet werden dürfen, bereits des Öfteren angepasst worden. „Das ist ja herausgeschmissenes Geld“, sagte eine Langenhagenerin daraufhin und ein weiterer Teilnehmer wollte es noch einmal ganz genau wissen. Daraufhin erklärte Andreas Oelze: „Die frei verkäuflichen Mittel sind sehr niedrig dosiert. Das heißt – die Ratte, oder die Maus geht übrigens auch ran, also nicht wundern, wenn viel weg ist, es kann es auch die Maus sein – dass die Ratte davon sehr viel aufnehmen muss. Da sind, bei einer Rattenpopulation von 20 Tieren, ein Kilo gar nichts. Diese 1000 Gramm müssen weg sein. Von diesen 1000 Gramm ist der reine Wirkstoff 0,0072 Gramm. Darum sage ich Sie müssen genügend nachlegen. Dann können Sie mit ein bis zwei Kilo ein einzelnes Tier oder ein zweites erwischen.“ Während der Diskussion wurden immer wieder neue Aufenthaltsorte von Ratten genannt. So beispielsweise am Trendelgraben. Ein Teilnehmer beschrieb seine Beobachtungen: Wenn ich über die blaue Brücke am Trendelgraben jogge, werde ich inzwischen regelmäßig von den Ratten, die dort in den Rohren sitzen, begrüßt.“ Zwar wurde an dieser Stelle gelacht, aber deutlich wurde auch, dass die Bewohner sich ernsthaft Sorgen über den Rattenbefall machen und sich zeitnah Rückmeldungen nach Anrufen bei der Stadt und Mitteilungen über den Mängelmelder wünschen. Dies sei momentan nicht der Fall. Zudem berichteten viele Anwesende, dass der Trendelgraben, durch achtlos weggeworfene Nahrungsmittel und das regelmäßige Füttern von Enten mit Brot, verunreinigt werde. Schädlingsbekämpfer Andreas Oelze beschrieb den Zusammenhang: „Die so genannte Wanderratte lebt im Familienverbund, der nicht selten aus rund 60 Tieren besteht. Es ist deshalb wichtig, die Ratten bis zum Ende zu bekämpfen, denn Rattenweibchen bekommen bis zu sechs bis acht Junge und sind nach wenigen Wochen wieder geschlechtsreif. Diese Tiere fressen einfach alles, darunter Fleisch, Fisch und Getreide und machen auch vor vermeintlich gesicherten Kompostbehältern nicht Halt. Mit ihren scharfen Zähne beißen sich Ratten sogar durch Draht, um an ihre Nahrungsquelle zu gelangen. Die beiden trockenen Sommer, aber auch Trinkwasserquellen, Vogel- und Entenfutter sowie unbedacht gelagerte Müllsäcke, die zum Abtransport häufig zu früh an die Straße gestellt werden, sind eine beliebte Nahrungsquelle für Ratten.“ Gegen Ende der Veranstaltung wurden die beantworteten Fragen auf dem Flipchart als erledigt abgehakt. Viele Fragen sind dennoch offen geblieben. „Wir müssen noch besser werden, wenn es darum geht, Ihnen eine Rückmeldung zu geben, wenn Sie die Ratten mit dem Mängelmelder gemeldet haben, das ist nicht erledigt, deshalb hier noch ein großes Ausrufezeichen,“ sagte Gureck. Da der Müll für die Ratten eine beliebte Nahrungsquelle ist, wurde dieses Thema gegen Ende der Veranstaltung erneut aufgegriffen. Boris Erhardt informierte dabei über das Prozedere. „Wir haben schon seit längerem eine mobile Einsatzgruppe „Müll“. Das sind mittlerweile drei Kollegen. Die „wilder-Müll“-Meldungen, die wir haben, werden tagesaktuell abgearbeitet. Das geht auch über den Mängelmelder und das können Sie dort auch sehen. Wir sind bemüht den Müll wegzuräumen und selbstverständlich wird es geahndet. Noch dazu gibt es ein entsprechendes Bußgeld. Wir haben die Antworten auf die Mängelmeldungen in den vergangen Wochen leider verzögert bearbeitet, weil wir personell nicht hinterhergekommen sind. Das ist einer der Gründe, warum wir heute hier mit Ihnen gesprochen haben und das ist mit Sicherheit auch eine Stelle an der wir sagen, dass wir da in Zukunft besser werden wollen.“ Die Veranstaltung endete mit der Möglichkeit, die fachkundigen Mitarbeiter der Stadt noch einmal zu befragen und so wurde auch nach der Veranstaltung rege weiter diskutiert. Die Stadt Langenhagen hat zur Vermeidung des Befalls einen Flyer heraus gegeben, der im Rathaus im Eingangsbereich ausliegt. Weitere Infos unter www.langenhagen.de/rattenbekkaempfung.