Schüler beweisen Einfühlungsvermögen

Eine Woche lang bot sich den Schülern und Lehrkräften am Gymnasium Langenhagen Gelegenheit, die Wanderausstellung „Demokratie fördern – gegen Rechtsextremismus“ zu besuchen. Zu den fachkundigen Ansprechpartnern einer vorangegangenen Podiumsdiskussion zählten Ela Otto (von links), Friedrich-Ebert-Stiftung, Corinna Weiler , Verein Andersraum, Schulleiter Matthias Brautlecht, Silke Hansmann, Vorsitzende der Jusos Bezirk Hannover und Moderator Dennis Stehr, Fachobmann Werte und Normen. (Foto: S. Dickhaeuser)

Ausstellung „Demokratie fördern – gegen Rechtsextremismus“ am Gymnasium

Langenhagen (dkh). Mit vorbildliche Projekten, Ausstellungen, den Arbeitsgemeinschaften „Schule ohne Vorurteile“ und „Helfen“ sowie der Vermittlung von Medienkompetenz arbeiten die Schüler und Lehrkräfte des Gymnasium Langenhagens der Verrohung des öffentlichen Diskursen entgegen und fördern das herzliche Miteinander. Seit 2017 trägt die Schule offiziell den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dass es sich hierbei nicht nur um Worte, sondern auch um Taten handelt beweisen Dennis Stehr, Lehrkraft und Leiter zahlreicher Projekte und seine Schüler. In Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung holte Dennis Stehr in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung die Wanderausstellung „Demokratie fördern – gegen Rechtsextremismus“ an die Schule. Vor der Ausstellungseröffnung gab es eine spannende Podiumsdiskussion mit den Schülern und dazu Workshops und Aktionen zum Thema.
Die Informationstafeln fanden ihren Platz unübersehbar an einem stark frequentierter Laufweg der Schule und konnten dort eine ganze Woche lang studiert werden. In der Ausstellungswoche gab es für alle Klassen die Möglichkeit, sich rund 40 Minuten durch die Ausstellung führen zu lassen. Fünfzehn Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge zehn  und elf wurden dazu in Workshops zu „Schülerscouts“ ausgebildet. Vor der Ausstellungseröffnung gab es eine Podiumsdiskussion mit Beteiligung der Jahrgänge acht und neun in der Aula. Zu den fachkundigen Ansprechpartnern zählten Ela Otto, Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung, Schulleiter Matthias Brautlecht, Silke Hansmann, Vorsitzende der Jusos Bezirk Hannover und Corinna Weiler vom Verein Andersraum. Die Moderation übernahmen Dennis Stehr und Schülersprecher Maxim Pfaffenrot. Rechtsextremismus hat viele Facetten - von akzeptierten Vorurteilen bis zur Gewalttat. Die Friedrich-Ebert-Stiftung ermutigt zur Demokratie und dazu, gemeinsam gegen rechtsextreme Meinungen und Einstellungen und erst recht gegen Gewalttaten vorzugehen. Vorurteile, die von Dennis Stehr zur Diskussion gebracht wurden, gaben den Schülern Anlass auch von eigenen Erfahrungen zu berichten. Darüber hinaus traten Fragen zum Verhalten bei Beleidigungen und Diffamierungen auf und Enttäuschungen, Zweifel und Unsicherheiten wurden von den Schülern vertrauensvoll vor der großen Gruppe von Mitschülern geäußert. Die Ansprechpartner am Podium hatten hieb- und stichfeste Argumente, um Vorurteile wie „Ausländer sind kriminell“, „Politiker lügen“, „Frauen können nicht autofahren“ und rechte Sprüche wie „Du Jude Du“ und „Quotentürke“ aus dem Weg räumen zu können. Auch wurde diskutiert, ob es bereits als Beleidigung angesehen werden kann, wenn sich zwei Schüler, die jeweils einen Migrationshintergrund haben, scherzhaft beispielsweise als „Schwarzkopf“ bezeichnen. Mit fesselnden Worten vertrat Rahime-Ergem Cetinbag, ehemalige Schülerin des Gymnasiums und ehrenamtliche Helferin bei Projekten, dazu ihre Meinung und erzählte dabei auch aus einer Zeit, als ihre Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Die Studentin der Sozialwissenschaften ermunterte die Schüler dabei vorsichtig zu sein, die Verwendung solcher Wörter immer im Kontext zu sehen und zu prüfen, ob der verwendete Begriffe möglicherweise noch stärker negativ behaftet als vermutet. Ein einprägsames Bild lieferte Dennis Stehr mit einer Metapher und sagte: „Empathie ist kein Reflex, sondern eher ein Muskel, der trainiert werden kann.“ Vieles kam zur Sprache. So auch, dass Vorurteile stark durch die sozialen Netzwerke gestreut werden und Statistiken dabei gefälscht oder vereinfacht abgebildet werden. Von der ersten Minute an vergaßen die Schüler, dass es sich um eine Pflichtveranstaltung handelt, waren sichtlich interessiert und nahmen Anteil an den Berichten ihrer Mitschüler. Das machte deutlich, dass die Empathie hier tatsächlich wie ein starker Muskel trainiert wird.