Schüler lernen mit Trauer umzugehen

Lehrer Jan Heimann (links), die Schüler der Klasse 3c und die Ehrenamtlichen des Hospizvereins beim Abschlussfest des Projekts "Hospiz macht Schule".
 
Die beiden neunjährigen Robbi (links) und Robin erklären, dass auf der Ranke Wünsche stehen, wie sie getrösted werden möchte. Einen persönlichen Wunsch dafür, haben sie auch in der selbstgebastelten Kiste.

Hospizverein Langenhagen führte Projekt „Hospiz macht Schule“ an der Grundschule Kaltenweide durch

Kaltenweide (lo). Für die Kinder der Klasse 3c der Grundschule Kaltenweide stand Ende Januar eine besondere Unterrichtswoche auf dem Programm. Denn die Schüler nahmen an dem Projekt „Hospiz macht Schule“ teil, welches erstmalig Ehrenamtliche des Hospizvereins Langenhagen durchführten. „Ich bin durch einen Zeitungsartikel im Echo auf das Projekt aufmerksam geworden und habe mich gleich gemeldet“, sagte Lehrer Jan Heimann. Und er ergänzte: „Ich finde, es ist ein wichtiges Thema und es betrifft uns alle.“
Um den Grundschülern das Thema näher zu bringen, widmeten sich die Ehrenamtlichen jeden Tag einem anderen Unterthema. So stand der Montag unter dem Titel „Werden und Vergehen“, der Dienstag unter „Krankheit und Leid“ sowie der Mittwoch unter „Sterben und Tod“. Am Donnerstag beschäftigten sich die Kinder dann mit dem traurig-sein bevor es am Freitag um „Trost und trösten“ ging. „Wir haben die Klasse in vier Gruppen aufgeteilt, damit wir so besser auf die Schüler eingehen können“, erläuterte Johanna Holze, Pressesprecherin des Hospizvereins.
Gemeinsam mit zehn weiteren Ehrenamtlichen führte Holze das Projekt in der Klasse durch. Dafür hatten sie für jeden Tag eine Kiste mit den unterschiedlichsten Materialien dabei. Der Inhalte reichte dabei von Büchern zu den Themen, einen Film über das Sterben bis hin zu vielen Bastelutensilien. Entstanden ist dabei unter anderem eine gemalte Ranke. „Darauf haben die Schüler geschrieben, wie sie gerne getröstet werden möchten“, erklärte Holze. Ebenfalls haben die Drittklässler eine kleine Schatztruhe aus einer Streichholzverpackung gebastelt. „Darin ist ein Zettel auf dem steht, wie die Kinder gerne getröstet werden möchten“, sagte Holze.
Neben der kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema hatten die Grundschüler auch immer die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen. Und diese nutzten sie auch. „Kinder fragen aber immer nur so viel, wie viel sie auch wissen wollte“, betonte Susanne Bräuer vom Hospizverein Langenhagen. Und weiter: „Zudem gehen sie ganz anders mit dem Thema um.“ Doch nicht nur den Ehrenamtlichen stellten sie viele Fragen. Am Dienstag war zudem ein Arzt in der Klasse, der den Grundschülern Rede und Antwort stand. Unter anderem wollten die Drittklässler wissen, wie die Augen befestigt sind. Damit aber auch die Eltern über die Projektwoche etwas erfahren, gab es am Freitag ein gemeinsames Abschlussfest. Dort präsentierten die Schüler nicht nur das Lied, welches sie jeden Tag gesungen haben, sondern all das, was sie die Woche über gemacht haben.
Und das die Kinder – trotz des scheinbar schwerzugänglichen Themas – begeistert waren, zeigte vor allem die Reaktionen beim Fest. Gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern oder auch Geschwistern liefen sie durch die Klasse und zeigten stolz ihre Arbeiten. „Besonders gefallen hat mir das zu malen, was nach dem Tod passiert“, erzählte Stine. Nach der Fantasie der Neunjährigen steigt nach dem Tod der Geist aus dem Sarg und fliegt ins Jenseits. „Dort bekommt er dann ein Namensschild, damit er seine bereits verstorbene Familie findet“, ergänzte Stine.
Dem zehnjährigen Filip hat hingegen das Anzünden der Kerzen für die Verstorbenen gut gefallen sowie das Umtopfen einer Pflanze. „Besonders gefallen hat mir aber, dass wir so viel gelernt haben über den Tod und die Krankheiten. Und ich fand es gut, dass ein Arzt da war und wir ihm Fragen stellen konnten“, sagte Filip. Dass die Schüler begeistert waren, freute auch Klassenlehrer Jan Heimann: „Alle waren begeistert und viele wollten sogar noch eine Woche dran hängen.“ Und er ergänzte: „Ich denke, durch das Projekt konnte den Kindern jetzt Werkzeuge an die Hand gegeben werden, wie sie im Ernstfall getröstet werden möchten und wie sie damit umgehen könne.“
Auch für Schulleiterin Ursula Starker war dies ein spannendes und wichtiges Projekt. Sie selbst habe als Lehrerin schon einmal gemeinsam mit einem Beerdigungsinstitut einen Tag gestaltet, die restliche Woche aber in Eigenregie. „Hier ist die Faszination, dass die Kinder jeden Tag mit ihren Bezugspersonen zu tun haben und Herr Heimann nicht die Regie führte“, sagte Starker. Froh ist Starker aber auch darüber, dass „wir nicht nur nehmen, sondern auch die Ehrenamtlichen gesagt haben, dass es ihnen bei uns gefällt und sie gern gekommen sind.“ Zudem könnte sich die Schulleiterin vorstellen, dass Projekt an der Grundschule noch einmal zu wiederholen.