Sechs neue Info-Tafeln platziert

Nach der Tafelenthüllung: Bürgermeister Friedhelm Fischer, GLIEM-Mitglieder und die ehemalige Lehrerin Marianne Humpe (3. von links).Foto: K. Raap

GLIEM auf dem Weg zum virtuellen Museum

Langenhagen (kr). Ihre seit Monaten andauernden Aktivitäen ihres Projektes GLIEM - "Ganz Langenhagen ist ein Museum" - hat die gleichnamige Arbeitsgruppe jetzt forciert. An nur einem Tag wurden auf einem Rundgang in Langenhagen gleich sechs historische Gebäude  mit Tafeln bedacht, die mit Texten und Fotos auch zufälligen Passanten ein gewichtiges Stück Langenhagener Geschichte näherbringen sollen. Der Auftakt fand an der Herrmann-Löns-Schule statt, wo Bürgermeister Friedhelm Fischer, unterstützt von GLIEM-Mitarbeitern, die erste Tafel enthüllte. Das an der Niedersachsenstraße gelegene Schulgebäude in norddeutscher Klinkerarchitektur gehört sicherlich zu den bekanntesten Bau- und Kulturdenkmalen Langenhagens. Die Schule, die zunächst nur aus dem mittleren Gebäudeteil und dem Ostflügel bestand, wurde 1901 eingeweiht. Im Erdgeschoss gab es vier Klassenräume, das Obergeschoss beherbergte einige Lehrerwohnungen. Der erste Hauptlehrer hieß Daniel Beckmann, er wirkte gleichzeitig als Küster der an der Walsroder Straße gelegenen Dorfkirche. 1910 erfolgte der Ausbau des Westflügels mit vier weiteren Klassenräumen. Die Schule ersetzte die engen Räumlichkeiten im Küsterhaus. Die dortigen Einrichtungen gehen zurück auf eine Lateinschule, die bereits im Jahr 1584 erwähnt wurde. Die Schule in der Niedersachsenstraße überstand denZweiten Weltkrieg mit geringen Schäden. 1961 erhielt die Volksschule den Namen des Schriftstellers Hermann Löns, der in Langenhagen kein Unbekannter gewesen sein soll.
Die Tafelenthüllung verfolgte ein Gast mit ganz besonderem Interesse, die 92-jährige Marianne Humpe. Sie könnte stundenlang über die Nachkriegsgeschichte der Hermann-Löns-Schule erzählen, schließlich war sie dort als 25-Jährige als Lehrerin eingestellt worden. Und diese berufliche Tätigkeit füllte sie 36 Jahre mit derart viel Enthusiasmus und menschlicher Wärme aus, dass unzählige ehemalige Schüler auch heute noch von ihr mit liebevoller Hochachtung sprechen. Die Hermann-Löns-Schule ist natürlich nicht nur ein Kulturdenkmal, sondern vor allem nach wie vor eine wichtige Schule. Nach den Sommerferien werden dort genau 350 Schüler unterrichtet, drei Jahrgänge vier-, einer dreizügig. Die Hermann-Löns-Schule gilt als "Grundschule mit musischem Schwerpunkt und Betreuungsangebot".
Platziert wurden am Mittwoch fünf weitere informative Tafeln. So eine an einem Gebäude im Eichenpark, das auf die 1862 gegründete "Erziehungs- und Pflegeanstalt für geistesschwache und blödsinnige Kinder" erinnert. Hier arbeitete einige Zeit als Assistenzarzt der spätere Nobelpreisträger Robert Koch. Große Bedeutung in der Langenhagener Industrielandschaft hatte die 1903 gegründete Norddeutsche Tapetenfabrik (Norta), deren Produktion Weltruf erlangte. Mitbegründer August Hölscher, der 25 Jahre dem Langenhagener Gemeindeausschuss angehörte, wurde übrigens 1931 erster Ehrenbürger der Stadt. Besonders wichtig erscheint dem GLIEM-Arbeitskreis auch das Stationsgebäude des Langenhagener Bahnhofs, 1914 geplant von der Königlichen Eisenbahndirektion und Anfang der 20-er Jahre realisiert. Weitere Tafeln geben jetzt auch Hinweise auf den Vollmeierhof Nr.2 (Jagau)  und den alten Vogtei- und Amtshof.
Natürlich können sich die Langenhagener nicht nur vor Ort über die attraktiven Objekte informieren, sondern auch auf einer Internetseite der Stadt. Ein zusätzlicher Clou: Die QR-Codes auf den Tafeln ermöglichen Smartphone-Nutzern, direkt auf die GLIEM-Seite zu kommen. Im Internet ist die Seite unter www.langenhagen.de einzusehen. Die GLIEM-Gruppe mit der Stadtarchivarin Heike Brück-Winkelmann, Gabriele Spier, Christa Röder, Joachim Vogler sowie Ulrike und Hans-Jürgen Jagau hat sich zum Ziel gesetzt, 130 Beispiele aus der Lagenhagener Geschichte ins Internet zu bringen. Inzwischen hat sich der Arbeitskreis auch mit dem Gedanken eines virtuellen Museums angefreundet. Das würde bedeuten, dass sich in absehbarer Zeit jeder Interessent mit wenigen Mausklicks mit den unterschiedlichsten Facetten der Langenhagener Geschichte vertraut machen kann. Denn nicht nur auf historische Gebäude soll Bezug genommen werden, sondern auch auf wichtige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und anderen Bereichen.