"Sich auch mal zoffen, bis es richtig kracht"

Liegen politisch auf einer Wellenlänge: CDU-Fraktionschef Mirko Heuer (links) und der neue Stadtverbandsvorsitzende Marco Zacharias.Foto: O. Krebs

22-jähriger Marco Zacharias ist neuer Stadtverbandsvorsitzender der CDU

Langenhagen (ok). Die Vornamen ähneln sich, der politische Stil auch: Marco und Mirko sind das neue Führungsduo der Langenhagener CDU, mit Nachnamen Zacharias und Heuer. Der 22-jährige Zacharias – noch Ortsverbandsvorsitzender der CDU in der Kernstadt – tritt die Nachfolge von Ulrich Müller als Stadtverbandsvorsitzender an, will in den nächsten Jahren eng mit dem mehr als doppelt so alten Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Langenhagen, Mirko Heuer (45), zusammenarbeiten. Und beide haben nach ihren eigenen Aussagen vor allen Dingen ein Ziel: Partei und Fraktion wieder näher zueinander zu bringen, mit einer Zunge zu sprechen. Im Gespräch mit dem neuen Führungsduo wurde deutlich, bei allen Lobesreden auf den scheidenden Parteichef Ulrich Müller, dass das in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen sei, Jeder habe quasi sein eigenes Süppchen gekocht. Das soll sich nun ändern, Themen "sachorientierter" angegangen werden. Ein Wort, das während des Gesprächs mit den beiden übrigens ziemlich oft fiel. Deutlich wurde aber auch die Rollenverteilung innerhalb der Partei: Mirko Heuer muss mehr um Ausgleich bemüht sein, will er doch mit den anderen Parteien im Rat der Stadt Langenhagen auch in der Opposition zusammenarbeiten. Marco Zacharias dagegen gibt den "Wadenbeißer, der auch mal den Finger in die Wunde legt". Und teilt auch gleich kräftig aus, hat sich zunächst einmal Sonja Vorwerk-Gerth und Mike Scheer vorgenommen, die ja die Fraktion verlassen haben und inzwischen nach Informationen des ECHO beide aus der CDU ausgetreten sind. "Mike Scheer hat die Partei verraten, und Sonja Vorwerk-Gerth ist dem Messias gefolgt", greift Zacharias das abtrünnnige Duo scharf an. Und Fraktionschef Mirko Heuer geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wären wir in der freien Wirtschaft, hätte ich Sonja Vorwerk-Gerth innerhalb der Probezeit kündigen müssen. Sie hat ihre Bewerbungsunterlagen geschönt." Im Klartext: Sonja Vorwerk-Gerth sei mit dem Vorsatz angetreten, das Miteinander zwischen den Fraktionen im Rat der Stadt Langenhagen zu stärken und habe jetzt bei der "ersten Kleinigkeit hingeschmissen". Die CDU hat ein Problem damit – und da sind sich Heuer und Zacharias einig – Unstimmigkeiten intern zu klären. "Wer sich ungerecht behandelt fühlt, will das gern mit Anderen teilen, auch mit der Presse", sagt Heuer süffisant. Einzelkämpfer seien prinzipiell nicht schlecht, nur sollten sie es innerparteilich bleiben. Daran wollen die beiden gemeinsam arbeiten, und Zacharias liegt sehr am Austausch – nicht nur mit Mirko Heuer, auch mit anderen erfahrenen Christdemokraten. "Ich kann mit 22 Jahren nicht auf viel Lebenserfahrung und eine große Lebensleistung verweisen", gesteht Zacharias – er studiert in Göttingen Geschichte und Volkswirtschaftslehre – selbstkritisch ein. Gleichwohl lasse er sich gern beraten und hole die Lebenserfahrung woanders her. Das heiße aber keinesfalls, dass er nicht selbst denken könne und auf jeden Ratschlag höre. Und ein klein wenig Erfahrung könne er schon in die Waagschale werfen, schließlich sei er seit seinem 14. Lebensjahr in der Partei und stellvertretender Bundesvorsitzender der Schüler Union gewesen. Zacharias liegt zum Beispiel am Herzen, dass die CDU in Langenhagen in Zukunft wesentlich verzahnter auftritt – sprich die Ortsverbände mit ihren "Ortsfürsten" und der Stadtverband einheitlicher und geschlossener auftreten, als das in der Vergangenheit oft der Fall gewesen sei. Er versteht sich als Teamarbeiter, der Aufgaben auch delegiert. Und Zacharias ist durchaus auch für eine gesunde Streitkultur: "Man kann sich innerparteilich auch mal zoffen, bis es kracht. Wenn nicht in der Partei, wo denn sonst." Nur was die Außendarstellung angehe, da müsse es wieder "in ruhigeres Fahrwasser" gehen. Einen Seitenhieb auf den politischen Mitbewerber kann sich Zacharias bei aller Selbsteinsicht dennoch nicht verkneifen: "Viele Anträge haben die Sozialdemokraten bei uns abgeschrieben und verkaufen sie jetzt als ihre eigenen. Es macht uns aber froh, dass die SPD das weiß."