Sich gegenseitig helfen

Lassen sich neue Strategien und Ideen gegen die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und Geringqualifizierten erläutern (von links): Elke Zach, Marco Brunotte, Andreas Strauch, SPD und die Chefin des Jobcenters, Vera Hellwig-Weber-Lampe.Foto: D. Lange

Jobcenter Langenhagen entwickelt neue Konzepte

Langenhagen (dl). Mit neuen Ideen und Konzepten verlassen die Jobcenter, die eine gemeinsame Einrichtung der Agentur für Arbeit und der Region Hannover sind, ausgetretene Pfade, um die hohe Zahl arbeitsloser junger Menschen bis 25 Jahre ohne abgeschlossene Berufsausbildung, aber auch die der Langzeitarbeitslosen dauerhaft zu senken. Die Leiterin des Langenhagener Jobcenters am Straßburger Platz, Vera Hellwig-Weber-Lampe, stellte anlässlich des Besuchs von SPD- Landes - und Regionspolitikern die Strategien und Konzepte des Jobcenters zum Abbau der hohen Arbeitslosenzahlen vor. Im Juni wird nach den guten Erfahrungen, die mit dieser Art von Einrichtung bereits in Hannover gesammelt wurden, auch in Langenhagen ein Jobbüro an den Start gehen, das nach dem niederländischen Vorbild der Werkakademien einen neuen Ansatz bei der Unterstützung der Arbeitssuchenden verfolgt. Danach bildet eine Gruppe von zumeist zwölf Bewerbern gleichzeitig auch das Coachingteam, das die Stellensuche zu einer gemeinschaftlichen Aufgabe macht, bei der sich die Mitglieder der Gruppe gegenseitig helfen sollen. Die Hilfe zur Selbsthilfe durch gruppendynamische Effekte und ein intensives Coaching in einer ansprechenden Umgebung sorgt zumindest in den Niederlanden bereits für Vermittlungsquoten von bis zu 50 Prozent. Marco Brunotte, der SPD-Landtagsabgeordnete und die beiden Regionspolitiker Elke Zach und Andreas Strauch informieren sich in regelmäßigen Abständen im Jobcenter über die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt. Sie beurteilen insbesondere die hohe Zahl von fast 100 Prozent bei den jugendlichen Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung als höchst besorgniserregend, da auch die Ursachen hierfür noch im Dunkeln liegen. Das macht es für die Jobcenter, deren Aufgabenschwerpunkt auf den SGB II-Bereich ausgerichtet ist, nicht leicht, dagegenzusteuern. Für Marco Brunotte liegt das Hauptaugenmerk aller Bemühungen auf dieser Personengruppe, den jungen Leuten bis 25 Jahre. „Wir müssen die Ursachen für die schlechte Ausbildungslage, mit der damit einhergehenden Arbeitslosigkeit bereits in jungen Jahren, erkennen und diese Erkenntnisse in politisches Handeln umsetzen, das die Voraussetzungen für eine Beschäftigungsbiografie ohne Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte Hilfsjobs schafft, mit den entsprechenden positiven Auswirkungen auf die allgemeine Rentenentwicklung.“ Ein Prozess, so der regionspolitische Sprecher der SPD zum Thema Jugendarbeitslosigkeit, Andreas Strauch, der nicht nur Zeit und einen langen Atem braucht, sondern vor allem eine Mitarbeit und Beteiligung der Schulen und Unternehmen voraussetzt. Die IGS Langenhagen hat in diesem Zusammenhang im Rahmen eines Pilotprojektes zur Berufsorientierung die Stelle eines Ausbildungslotsen eingerichtet, eine Initiative, die auch von anderen Schulen übernommen werden soll. Neben den Jugendlichen ohne Berufsausbildung stellt vor allem die große Zahl der gering qualifizierten Langzeitarbeitslosen eine Gruppe dar, die einen erhöhten Förderbedarf hat. In Langenhagen sind das rund 250 Jobsuchende ohne oder nur mit geringer Ausbildung, oder solche, deren Ausbildung schon lange zurückliegt bzw. Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die alle durch eine Initiative mit dem Namen „Helferprojekt“ wieder größere Vermittlungschancen bekommen sollen. Das Ziel ist es, gezielt Helfer- und Anlerntätigkeiten in der Gastronomie, in der Verwaltung oder im Garten- oder landwirtschaftlichen Bereich als Saisonarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Bei alldem sucht das Jobcenter Langenhagen aber auch vermehrt die Nähe zu den Arbeitgebern, um deren Wünsche und Anforderungen an ihre künftigen Beschäftigten besser mit den Vermittlungsfähigkeiten der Bewerber abstimmen zu können. Letztendlich muss es immer darum gehen, die Hilfebedürftigkeit und den Leistungsbezug, ganz gleich ob vollständig oder als Aufstocker, zu verringern im Sinne einer umfassenden Integration in den Arbeitsmarkt.