„Sie haben einfach das bessere Feeling“

Haben sich über die Herausforderungen im Handwerk in Corona-Zeiten ausgetauscht: Alessandra (von links)und Ralph Sensing, Landtagsabgeordneter Rainer Fredermann und die frischgebackene Gesellin Charlene Svrcina. (Foto: O. Krebs)

Obermeister Ralph Sensing sieht fehlende Qualität und Quantität bei Auszubildenden

Langenhagen (ok). Er hat erst einmal präventiv Kurzarbeit angemeldet. Aber musste sie aus seiner Sicht glücklicherweise nie in Anspruch nehmen. An Firmeninhaber Ralph Sensing mit seinen beiden Malerbetrieben "Sensing" und "Malerblome" mit insgesamt 20 Mitarbeitern ist die Corona-Krise glimpflich vorbeigegangen. Etwa 70 Prozent seiner Kundschaft sind Privatpersonen. Sensing: „Am Anfang sind aus Vorsichtsgründen sieben Termine abgesagt worden, aber die haben wir jetzt sukzessive nachgeholt.“ Bei den Kollegen, die für Schilder- und Leuchtreklame zuständig sind oder etwa bei den Lackierern sehe das ganz anders aus. Monatelang seien ja keine Autos vom Land gelaufen. Landtagsabgeordneter Rainer Fredermann erkundigte sich auf seiner Sommertour, wie ein mittelständischer Betrieb exemplarisch die Corona-Krise weggesteckt habe. Im Moment sehe es gut aus, aber was die Zukunft bringe, könne Sensing natürlich nicht sagen. Niemand wisse, wann die Corona-Krise ende und wie sie sich letztendlich auf die einzelnen Haushalte auswirke. In der gesamten Innung gebe es 250 Betriebe, von denen eine Handvoll auf die Kurzarbeit zurückgegriffen habe. Ralph Sensing – zugleich Innungs-Obermeister – geht aber davon aus, dass die Ausbildungszahlen stabil bleiben, die Maler prozentual im Vergleich zu den Schilder- und Leuchtreklameherstellern und zu den Lackierern sogar zulegen werden. Nur: Die passenden Auszubildenden zu finden sei schwierig, auch im Malerhandwerk sei jede Menge Grips gefragt. Nur etwa zehn von 60 bis 100 Auszubildenden seien okay, 40 würden mit durchgezogen. Ralph Sensing deutlich: „Es mangelt an Qualität und Quantität.“ Um zu erkennen, ob es der richtige Job sei, bietet er ein Schnupperpraktikum an. Er selbst hat mindestens drei, in diesem Jahr fünf, und in jedem Lehrjahr mindestens einen Auszubildenden. Frauen – etwa zehn Prozent der Auszubildenden – erzielten immer bessere Ergebnisse. „Sie haben einfach das bessere Feeling für Farben, Formen und Gestaltung“, sagt Sensing. Eine, die seine Erwartungen voll und ganz erfüllt hat, ist Charlene Svrcina. Die 22-Jährige – ihr Vater hat selbst einen Malerbetrieb in Garbsen – hat gerade ihre Gesellenprüfung bestanden und fühlt sich als Küken unter den männlichen Kollegen pudelwohl. Sie hat die Fachhochschulreife absolviert,wollte aber nicht studieren. Jetzt überlegt sie, ihren Meister zu machen. Und Ralph Sensing betont: „Handwerk hat wirklich goldenen Boden. Wer sich ins Zeug legt, kann andere Gleichaltrige links überholen.“ Und Nachwuchs werde dringend gebraucht. Allerdings: Die bürokratischen Hürden müssten für die Arbeitgeber abgebaut werden. Das gab Sensing seinem Besuch Rainer Fredermann mit auf den Weg.