Sieben Wochen ohne…

Mit dieser Woche beginnt im Kirchenjahr eine besondere Zeit. Es ist die Passionszeit. In den sieben Wochen bis zum Osterfest wird an die Zeit Jesu gedacht, in der er leiden musste. Das Ende kennen wir alle – das Kreuz.
Für Viele ist die Passionszeit auch insofern eine ganz eigene Zeit, weil sie sich bewusst einer besonderen Herausforderung stellen „Sieben Wochen ohne…“ ist eine Aktion unserer Kirche. Menschen verzichten bewusst auf etwas, das ihnen schwer fällt. Manche verzichten auf Süßes, meiden Alkohol oder, gar nicht so leicht, lassen den Fernseher für Wochen ausgeschaltet.
Das Motto des Projekts in diesem Jahr: „Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz“. Was ist damit gemeint? Gibt es denn richtigen Ehrgeiz?
In der Bibel wird der Ehrgeiz mit seinem Schatten beschrieben. Es ist der Neid. Wer neidet, schielt auf das, was andere vermeintlich besser haben. Der Neid macht blind für die eigenen Gaben. Neid macht unattraktiv.
So verstehe ich den Ehrgeiz auch durchaus ambivalent. Er ist wie ein innerer Motor, der antreibt. Schneller, höher, weiter. Die Gefahr ist immer dabei: Seine Grenzen überschreiten, sich mehr zutrauen, als was wirklich leistbar ist, eben sich zu überfordern. Das ist in unserer Zeit an vielen Stellen ablesbar. Ehrgeiz kann kaputtmachen, zuerst einen selbst.
Doch vermag er auch zerstörerisch nach außen wirken: Wer um seiner ehrgeizigen beruflichen Ziele ständig seine Familie unterordnet, wird irgendwann die Enttäuschungen und Verletzungen zu spüren bekommen? Die Arbeitswelt selbst ist reich an Kämpfen, in denen der Ehrgeiz überhaupt nicht förderlich ist.
Das Motto in dieser Passionszeit könnte in diesem Sinne so verstanden werden: Nimm deine Energien wahr, aber achte auf die Grenzen. Fordere dich, aber überfordere dich nicht. Achte darauf, dass dein Bestreben für Andere eine Bedeutung hat. Geh nicht darüber hinweg, weil es gerade gut in die eigenen Absichten passt.
Es ist eine Balance, um die es geht. Und diese ist im Alltag ja oft genug gefährdet. Darauf für diese besonderen Wochen zu achten, vielleicht hin und wieder seine Erfahrungen auch aufzuschreiben, kann ausgesprochen förderlich sein. Ich vermute: Die anderen werden es merken, und zwar positiv.

Martin Bergau, Superintendent