"So ein Finger tut nicht weh"

Experten und Prominente auf dem Sofa: Timm Hahn, Andreas Kirchhoff, Moderator Maik Pragasky, Dieter Schatzschneider, Michael Neubauer und Jimmy Hartwig.Foto: O. Krebs

Krebsvorsorge: Jimmy Hartwig lässt die "Hose runter"

Langenhagen (ok). Schon als Fußballprofi hat er kein Blatt vor den Mund genommen, ja oft sogar die sprichwörtliche große Klappe gehabt. Und auch heute redet Jimmy Hartwig, der seine erfolgreichste Zeit beim Hamburger Sportverein erlebt hat, Klartext. Ein Großmaul ist er allerdings nicht mehr, drei Krebserkrankungen haben den ehemaligen Nationalspieler geprägt. Eindrucksvoll und mit drastischen Worten schildert Hartwig – mit der Aufschrift "Hose runter!" auf seinem Sweatshirt – zum Abschluss des Männergesundheitstages auf der Bühne im CCL seine unfassbare Leidenszeit, in der er sich "die Seele aus dem Leib gekotzt hat" und gibt Einblick in sein Gefühlsleben. Dreimal sei er dem Tod von der Schippe gesprungen, immer wieder appelliert er an die Männer, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen: "Leute, wenn die Pfeife tropft, kann es zu spät sein." Und weiter: "Eier in der Hose hat man gerade, wenn man zum Arzt geht." Aussagen, die die Fachärzte auf dem Podium untermauern können. Michael Neubauer, Chefarzt an der Paracelsus-Klinik: "Das Tückische am Darmkrebs ist, dass er nicht weh tut und erst einmal schmerzlos daherkommt." Die Urologen Timm Hahn und Andreas Kirchhoff ergänzen: "Es ist wichtig, auf die Warnsignale in seinem Körper zu hören, beispielsweise, wenn der Urin nicht mehr gehalten werden kann." 96-Ikone Dieter Schatzschneider, zweiter prominenter Gast auf dem Sofa bei Maik Pragasky, betont, wie wichtig es sei, ein Vertrauensverhältnis zu seinem Hausarzt aufzubauen. Die Mediziner machten deutlich, dass die Diagnose "Krebs" nicht zwangsläufig das Todesurteil bedeute. So verliefen "nur" 40 Prozent der Darmkrebserkrankungen tödlich, 60 Prozent der Fälle könnten geheilt werden. Und auch hier gilt: Je eher, desto besser – also zur Vorsorge gehen. Ein Ziel, das die Initiatoren des Männergesundheitstages um den Apotheker Carsten Lambrich und Peter Witt von der Krankenkasse atlas bkk ahlmann mit dem zweiten Männergesundheitstag, bei dem auch die begehbare Prostata regen Zuspruch fand, erreichen wollten. Klar wurde auch, dass die Familie im Falle einer Erkrankung eine große psychische Stütze sein kann, und Jimmy Hartwig beschrieb zum Abschluss noch einmal eindringlich, welche Torturen hinter ihm liegen: "So ein Finger tut nicht weh, aber es tut weh, wenn die Prostata raus muss und die Chemotherapie durch den Körper fließt."