Spannende Zeichen des Mittelalters

Wilhelm Eike und Sabine Seifert beim Vortrag zu Begebenheiten aus dem 14. Jahrhundert.

Gotteslästerung überdauert Jahrhunderte

(gg). „Viele Hundert Jahre ist das nun alles her. Und alle toten Knochen sind längst zu Staub zerfallen. Das kleine silberne Haupt der Maria Magdalena, Reliquiar in der Mindener Domschatzkammer, hat die Zeiten überdauert. Immernoch strahlt es in Minden seinen Zauber aus“, sagte die Heimatforscherin Sabine Seifert, die auf Initiative des stellvertretenden Ortsbürgermeisters Wilhelm Eike ihre jüngsten Erkenntnisse zur Engelbosteler Familie Brüning bei einer kleinen Bürgerversammlung erklärte. Sabine Seifert, Sozialwissenschaftlerin aus Petershagen und gebürtige Langenhagenerin, hatte im Archiv der Stadt Langenhagen und im Kommunalarchiv Minden recherchiert und Erkenntnisse zum „Brüning von Engelbostel im 14. Jahrhundert“ gewonnen. Demnach stand die mittelalterliche Familie Brüning in Beziehung zum Bistum Minden. Sabine Seifert bezog sich auf einen Eintrag in einer Mindener Chronik zu einer Gotteslästerung, die „der Brüning von Engelbostel“ zugeschrieben wurde. Urkunden des Mindener Doms und der umliegenden Klöster zufolge habe die Familie Brüning in enger Verbindung mit den Grafen von Roden, den Gründern Hannovers und Langenhagens, gestanden. „Dass besonders Brüning von Engelbostel als Persönlichkeit so fassbar ist, liegt an seiner Rolle als Bischofskandidat für den Mindener Dom. Sein Konkurrent, Ludwig von Braunschweig-Lüneburg, ein Bruder des Herzogs Otto, gewann die Wahl nach Schiedsspruch. Dies führte zu Feindseligkeiten zwischen den Parteien und ist auch Ursache für die Sage, nach der Brüning, der als Probst in der Rangfolge direkt nach dem Bischof kam, als unkeuschen und die Heilige Maria-Magdalena verspottenden Blasphemiker verunglimpft“, fasst Wilhelm Eike aus dem Vortrag zusammen.
Sabine Seifert schilderte anhand mehrerer Beispiele das Leben im 14. Jahrhundert, die Hungersnot, die aufgrund der Wetterverschlechterung über die Menschen hereinbrach und den Sittenverfall, der auch vor den Bischöfen selbst nicht haltmachte. Als Brüning im Juni 1345 stirbt, beginnt gerade die Pestseuche, die in den folgenden Jahren ganz Europa verwüstete.
Dass Maria Magdalena die Schutzpatronin gegen die Pest war und dass an ihrem Namenstag in Minden die Juden, denen man im Mittelalter die Schuld an der Seuche gab, verfolgt und verbrannt wurden, bildet den geschichtlichen Hintergrund für die Sage über Brüning, so der Hinweis von Sabine Seifert. Wilhelm Eike, der selber heimatgeschichtlich außerordentlich gut bewandert ist, lobte ihren Vortrag ausdrücklich: „Sie ließ die Zeitgeschichte des 14. Jahrhunderts in Niedersachsen lebendig werden.“